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Oktober 2004Paläontologische Exkursion nach LuxembourgThomas Förster
Reisen

Vor 50 Jahren, im Sommer 1954, nahm die SNCF den Planbetrieb mit ihrem neuen Stromsystem 25 kV 50 Hz auf. Als Kernstrecke wurde die Linie Valenciennes - Thionville mit schwerem Güterverkehr ausgesucht, und als erste Garnitur an Triebfahrzeugen kamen die vier französischen Krokodile der Baureihen BB 12000, BB 13000, CC 14000 und CC 14100 zum Einsatz. Seit Dezember 1999 sind diese Krokodile leider Geschichte, eine BB 12000 war das letzte Reptil dieser Art in Frankreich. Und jetzt fängt meine Geschichte an.
Ganz Westeuropa ist 50-Hz-Krokodil-frei. Ganz Westeuropa? Nein. Ein kleines Großherzogtum mitten in Europa setzt noch 5 Krokodile planmäßig ein. Die CFL, also die Luxemburgische Staatsbahn, hat sich schnell an die französische Elektrifizierung und die Lokbeschaffung angehängt und erhielt 20 Krokodile der Reihe BB 3600, die in ihrer Ursprungsausführung den SNCF BB 12000 entsprachen. Das war der Anfang für die CFL mit elektrischen Tfz. Und die Krokodile übernahmen gleich alles, was zu fahren war: Schnellzüge, Bummelzüge, Güterzüge und die dicken Brocken aus dem Montanverkehr. Das ging lange gut. Dann kam 1999 die Baureihe 3000 - sie ist baugleich mit der belgischen Reihe 1300 und entstand mehr oder minder aus der SNCF BB 36000. Damit sollten die Krokos in Luxemburg abgelöst werden. Gottseidank waren die 3000er aber, wie die SNCB-1300er, recht offen für die Aneignung von Zipperlein und Kinderkrankheiten, und das bescherte den Sauriern eine Gnadenfrist.
Doch jetzt haben die CFL die ersten 4000er bekommen, nichts anderes als ein 185er-Derivat! Und mit den Leih-185ern und den Serien-4000ern ist es jetzt endlich möglich, das elektrische Erdaltertum auszuläuten! Leider!

Seit Sommer 2004 unken alle Beteiligten von Fachpresse, Fotografen und Eisenbahnern vom Ende der Krokodile bei der CFL - Grund genug für mich, mal eine Reise zu unserem kleinen westlichen Nachbarn mit der interessanten Eisenbahn zu machen und nach dem Rechtem zu sehen.

Die momentane Situation umfasst einen Einsatzbestand von 5 BB 3600, und zwar die 3602, 3603, 3608 (die soll auch erhalten werden), 3610 und 3612. Alle anderen sind schon perdu. In der dritten Oktoberwoche hatte ich Urlaub und mein Sohn Herbstferien. Meine Frau brauchte ich auch nicht lange zu überzeugen, also ging es los. Am 18.10.2004 trafen wir gegen 16:30 in Wasserbillig ein, das ist der erste Ort in Luxemburg hinter der Grenze. Nach Ergänzung der Treibstoff- und Nahrungsvorräte ging es dann weiter nach Luxembourg Hauptbahnhof. Hatte ich doch vorher von den Leuten der Dampflok-IG 5519 entsprechende Tipps erhalten, dass die Krokodile mit großer Sicherheit vor Personenzügen in der Relation Luxembourg - Longwy (F) laufen, ein Zugpaar vormittags und zwei am Abend, von Montag bis Freitag. Also ab auf den Hauptbahnhof und hinein ins Abenteuer - fahrende Fossile suchen!



Die CFL zeichnen sich durch einen unglaublich abwechslungsreichen Fuhrpark und Betrieb aus, also haben wir erst mal zwei Triebwagen getroffen, die sich nicht umsonst ähnlich sehen: Der CFL 256 (l. - Reihe Z 250) ist eine Entwicklung aus der SNCF-Reihe Z 6300, hier neben ihm in Gestalt des Z 6326. Edelstahl-Kasten, niedrige Bauart und das alles aus einer Baureihe für den Pariser Vorortverkehr. Und als die CFL mal ganz dick in die Klemme kam, hat sie noch zwei SNCF-Z 6300 dazugekauft und als Reihe Z 260 in Betrieb genommen. Und immer noch kein Krokodil. Aber da vorne, vor den Wagen an Gleis 7, die von Wegmann gebaut wurden, und vor denen ein Krokodil stehen sollte, da steht doch wirklich schon der Ersatz - eine blaue Leih-185, die 185 519. Sie trägt zwar das CFL-Logo, ist aber nur geliehen bis zum Eintreffen der 4000er (r.).

Jetzt wird das Licht so langsam rar, und die Wegmann-Wagen neben an haben auch keine Lok. Doch dann rollen aus Richtung des Depots zwei Lichter heran, und richtig, zwischen dem Z 2013, die luxemburgische Variante der SNCF-Z2-Triebwagen, und dem Leerwagenpark schiebt 3612 ihre Krokodilnase in die Szenerie.



Man sieht ihr an, das sie ein lebendes Fossil ist, auf den "Nasen" ist bald ein halber Zentimeter "Patina" (oder ist das Moos bei Krokodilen?). Und nebenan auf Gleis 6 steht wirklich die Ablösung - die erste 4000er, die ich sehe. Die 4004 in ihrer rot-silbernen Lackierung macht einen frischen und sehr positiven Eindruck - selbst in dieser Dämmerung. Wo sind jetzt die anderen 4 Krokos? Es sollen doch zwei Züge mit 3600ern fahren abends? Erstmal zieht dann der SNCF-Z 6335 mit einem Schwesterfahrzeug vorbei, Lokführer und Zugbegleiter grüßen mich freundlich.



Und dann zieht 3612 ihren Leerzug vor - und entgegen kommt ihr 3610 mit einer anderen Wegmanngarnitur!



Aber das ist doch auch nicht die Richtung von Longwy... Na ja, dann schnell noch ein Bild von der 3612 mit einer Maschine ihres Möchtegern-Ablösetypes - die BB 3019.
Und schnell an das andere Bahnsteigende gespurtet - da wollte ich mich nämlich mit meiner Familie treffen. Stattdessen stehen sie gegenüber neben der BB 3610! Bleibt mal da, ich mache ein Foto[13981]. Und da ist es auch passiert - der Film ist voll! Was jetzt? Die anderen 12 Filme habe ich im Auto liegen, das steht 700 endlose Meter durch Menschenmassen entfernt auf einem Parkplatz. Aber der Bahnhofsbuchladen verkauft mir nach 50 Meter Massenslalom auch einen Film.



Zurück auf dem Bahnsteig die nächste Überraschung - ein weiteres Krokodil! BB 3602 hat meine Abwesenheit genutzt, um sich mit der Nase in Richtung Longwy zu postieren.



Und BB 3612 hat sich auch an einen Bahnsteig bemüht. Das Licht lässt jetzt leider nicht mehr viel zu, schnell noch ein Schuß auf die Krokos nebeneinander und von hinten auf 3602 und ihren Zug, und dann suchen meine Familie, unser Bus und ich einen Schlafplatz. Ruhe finde ich aber noch lange nicht, denn die Bahn ist in Hörweite.

Am nächsten Morgen liegt dicker Nebel über Luxemburg, das Aufstelldach unseres Campers und meine Decke sind nass, und alles ist klamm. Erstmal Frühstück mit heißem Tee und Kaffe machen, Heizung an und Scheiben trocknen. Dann kaufen wir Lebensmittel ein und fahren zurück - zum Luxemburger Hauptbahnhof. Ein Zug ist angesagt, und den wollen wir abpassen. Vom Parkplatz aus rollt mir erstmal der Gleichstrom-ET 249 der SNCB vor die Linse - die SNCB fahren mit Gleichstrom über Kleinbettingen bis in den Luxemburger Hauptbahnhof hinein - ein Gleis ist umschaltbar von 3000 V DC auf 25 kV 50Hz ! Und dann sind da einige Abstellgleise für die belgischen Garnituren. Die CFL 906 zieht gerade einen DoSto-IC ab, der von SNCB 2012 hergebracht wurde.



Im Hintergrund rollen die obligatorischen Edelstahl-ET Z 250 und Z 260 vorbei, 181 223 stellt ihren IC bereit und CFL 3011 zieht ihren IC in die Abstellanlage.



Und dann passiert das Unvermeidliche: der SNCB 249 fährt ab nach Belgien - und in seinem Schatten schleicht sich BB 3603 aus dem Bahnhof nach Longwy! Gottseidank hat der belgische Lokführer mehr Mumm und ich kann das Krokodil noch ganz ablichten.



Jetzt muß ich aber noch mal diese putzige belgische Lok in Augenschein nehmen. Da steht die 2012 auch schon unter der Gleichstromleitung von Gleis 4 vor ihrem Doppelstockzug. Sie ist recht informativ beschriftet - 160 km/h Spitze, 110 Tonnen.
Und der Vollständigkeit halber gehe ich noch mal auf den Bahnsteig. Da steht BB 15017 der SNCF vor ihrem Corail-Zug. Der Zugbegleiter sieht mich und grüßt rüber - Klack - Bild im Kasten!



Nebenan sagt der Zuganzeiger etwas wie "Nicht einsteigen, Dienstfahrt". Was da wohl kommt? Hupps - da ist die 4006! Nigelnagelneu eingetroffen, mit einer endlosen Schlange der neuen Doppelstockwagen für die CFL! Wie das in der Lackierung zueinander passt! Nach kurzem Aufenthalt rollt die ganze Fuhre weiter ins Depot, ein paar Detailbilder sind aber drin.



Anschließend erwische ich noch 185 524, wie sie sich an ihren Zug setzt, und die 4004, die leer durch den Bahnhof pirscht.



Mein Magenknurren und die ungeduldigen Blicke meiner Familie erinnern mich daran, dass es auf Mittag geht - jetzt müssen wir erst mal einen Mittagsplatz suchen - und finden ihn bei Manternach an der Strecke nach Deutschland über Wasserbillig. Beim Kalbsbratwürste braten fotografier ich die 4004, jetzt mit einem Personenzug nach Luxembourg unterwegs und in Gegenrichtung nach Trier die 181 223 mit ihrem IC. Dann ist 4001 mit einem Güterzug Richtung deutsche Grenze dran. Vielleicht liegt es am ewigen Aufspringen und fotografieren, dass mir die Kalbsbratwürste den restlichen Tag noch Probleme bereiten - aber da rollt auch schon wieder etwas vorbei - 4006 mit ihren DoSto-Wagen weiß wohl auch nicht so recht, wohin.



So rauscht ein Zug nach dem anderen vorbei, und wir machen uns wieder auf den Weg zum Luxemburger Hauptbahnhof. Dort steht heute die 3603 vor dem Leerzug und wartet auf ihren Einsatz, während die 181 214 "Mosel" sich schon zur Pause rüstet.


Und weil es besser ist, begegnet sie beim Vorziehen der einfahrenden 3612 am Bahnsteigende.


Flugs noch ein Blick in den Führerstand der 3612 - das ist also der Fahrschalter, der den Beinamen "Schinkenschneider" (Coupe-jambon) trug - kommt mir irgendwie aus der Metzgerei aus den 60gern bekannt vor. Wieder wird es knapp mit dem Licht - die Bilder der ausfahrenden 3603 um 18:11 werden wohl meine letzten Bilder vom französischen Krokodil sein!



Noch einmal das Pusten der Motorlüfter beim Einschalten der ersten Fahrstufe, das Heulen der Gleichstrommotoren und dann ist es vorbei. Wenn nicht irgendwas mit den neuen Loks passiert oder der Montanverkehr plötzlich um 100% zunimmt, dann muß ich jetzt wohl Abschied nehmen von meinem Lieblingsreptil im Westen! Aber wie dem auch sei, ich komme wieder nach Luxemburg, die 4000er sehen auch im Halbdunkel so gut aus, dass allein sie es schon lohnen!

Fotos und Text: Thomas Förster
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