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Datum: 06.12.2018 Uhrzeit: 09:22

GDL-Ortsgruppe Bebra: Klimaschutz - Die Schiene als Teil der Lösung


Paket-Sonderzug am 5. Dezember 2018 in Mecklar (Steven Kunz)

Die Ortsgruppe Bebra der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer blickt mit Spannung nach Kattowitz, wo aktuell die Klimakonferenz der Vereinten Nationen stattfindet. Dort sollen langfristige Lösungen gefunden werden, wie Treibhausgase und weitere Belastungen der Umwelt reduziert werden können.

Patrick Rehn, Mitglied des Vorstand der Ortsgruppe: Deutschland nimmt eine besondere Rolle ein, ist es mit einer vergleichsweise geringen Fläche auf dem Globus doch für einen erheblichen Teil der Emissionen verantwortlich. Neben der Verstromung von fossilen Brennstoffen sind Heizung und Verkehr weitere wesentliche Faktoren, warum die Belastung der Umwelt keinesfalls wegdiskutiert werden kann.

Die in mittlerweile vielen Städten diskutierten und teilweise bereits umgesetzten Fahrverbote für Straßenfahrzeuge mit Dieselmotor oder einer ungünstigen Schadstoffklasse sind, da sind sich die GDLer einig, ein erster Vorbote für eine einsetzende und dringend notwendige Verkehrswende. Auch in ländlichen Regionen müssen innovative Konzepte die Menschen erreichen und dort abholen und hinbringen, wo sie es wünschen. Rehn: In vielen Regionen, wo die Anbindungen an Bus und Bahn schlecht sind ist das Auto weiterhin Verkehrsmittel Nummer 1. Das Fahrzeug ist hier jedoch oft ein Stehzeug, da es oft nur für kurze bis mittlere Strecken genutzt wird und meistens über 22 Stunden am Tag ungenutzt Park- und somit auch Lebensraum in Städten, Gemeinden und Dörfern blockiert.

Ein weiterer Faktor, welcher für zunehmenden Verkehr auf den Straßen sorgt hat in den letzten Jahren erheblich an Fahrt aufgenommen: Auktionshäuser und Versandhandel im Internet. Rehn: Kaum jemand möchte die Vorteile missen, die sich damit bieten. Von nahezu jedem Punkt auf der Welt kann Ware bestellt werden, welche dann bequem mit dem Paketdienst an die Haustür geliefert wird. Die Ressourcen, die dafür aufgewandt werden sind jedoch beträchlich. Denn neben den Unmengen an Verpackungsmaterial kommen Bestellungen, die man mit einem Klick geordert hat, teilweise über mehrere Tage verteilt beim Kunden an - mitunter sogar mit mehreren Paketdiensten. Zwischen den großen Waren- und Handelszentren sowie den Logistikfirmen pendeln dabei meist dutzende Lkw täglich Hin und Her, so dass ein Artikel teils nicht nur hunderte, sondern sogar tausende Kilometer unterwegs war. Rehn: Bestimmte Firmen bieten Zustellungen entweder bereits am nächsten oder in einigen Regionen teilweise noch selben Tag an. Schnelle Lieferung bedeutet allerdings auch, dass die Umwelt dabei meist auf der Strecke bleibt.

Lösungen für eine Reduzierung der Transporte auf der Straße und die Mehrfach-Bedienung durch verschiedene Paketdienste werden zur Zeit im Vorfeld des Hessentag in Bad Hersfeld erarbeitet: An einem Depot sollen alle Lieferungen für eine Straße oder einen bestimmten Bereich gebündelt und dann von dort mit Lastenfahrrädern ausgeliefert werden. Ähnliche Konzepte werden auch in Frankfurt erprobt, wo eine Straßenbahn für logistische Aufgaben ins Auge gefasst wird. Diese soll Transport-Boxen in die Innenstadt liefern, von wo es ebenfalls mit Lastenfahrrädern weitergehen soll.

Durch die Zunahme des Versandhandel stoßen die Logistikbetriebe aktuell jedoch an ihre Kapazitätsgrenzen: Das Lkw-Fahrverbot an Sonntagen sorgt dafür, dass ein Teil der Waren und Pakete, welche von Versandhändlern und Privatleuten auf die Reise geschickt werden über die Schiene transportiert wird. Mit bis zu 120 km/h überbrückten dabei am vergangenen Sonntag 16 zusätzliche Güterzüge mit Stellflächen für bis zu 100 Container unterschiedlich große Distanzen zwischen verschiedensten Regionen Deutschlands. Rehn: Ein Zug ersetzte somit bis zu 50 Lkw mit Anhänger, und für die kommenden drei Wochenenden vor dem Fest ist mit einer weiteren Zunahme zu rechnen.

Für eine umweltgerechte und schnelle Logistik kommt es nach Ansicht der Bebraer Lokführer darauf an die Systeme miteinander zu verzahnen, anstatt sie parallel zu betreiben. Rehn: Es erschließt sich für uns nicht, warum es nicht möglich sein soll die Eisenbahn in solche Transportketten einzubeziehen. In Italien wurde kürzlich ein umgebauter Hochgeschwindigkeitszug vorgestellt, welcher Päckchen und Pakete über eine Distanz von etwa 600 Kilometer in 3 1/2 Stunden transportieren kann. Lkw, Lieferwagen und Lastenfahrrad könnten daher wie bei einem Staffellauf den Vor- und Nachlauf in Stadt und Region übernehmen, der Zug jedoch als Marathonläufer das große Mittelstück.

Ein weiterer großer Vorteil: Bahnhöfe entstanden größtenteils vor über 150 Jahren meist am Stadtrand. Die Städte wuchsen in den folgenden Jahrzehnten jedoch um sie herum, so dass sie nun meist mitten im Zentrum liegen - ein wichtiger Vorteil gegenüber dem reinen Straßentransport. Rehn: Es liegt daher an der Politik die Weichen für eine echte und nachhaltige Verkehrsverlagerung zu stellen, damit der Klimaschutz in Deutschland nicht nur ein Versprechen bleibt.

Quelle:/Fotos: GDL-Ortsgruppe Bebra / Patrick Rehn