elektrolok xyania
Anzeige

Datum: 01.12.2025 Uhrzeit: 07:21

Streit um die Vergabe der neuen Züge der Zürcher S-Bahn


(Foto Siemens)

Stadler will gegen die Vergabe vorgehen udn hat folgende Pressemeldung veröffentlicht:

Stadler legt Rekurs gegen SBB-Vergabe ein
Stadler hat beim Bundesverwaltungsgericht Rekurs gegen die Vergabe der SBB über 116 Doppelstock-Züge eingereicht. Nach einer vertieften Analyse kommt Stadler zum Schluss, dass der Vergabeentscheid vom Bundesverwaltungsgericht als unabhängige Instanz überprüft werden soll und somit die auch von der Öffentlichkeit geforderte Transparenz hergestellt wird.

Stadler hat einen bestehenden Doppelstock-Zug angeboten. Seit 2012 verkehren 153 solcher KISS-Doppelstock-Züge mit der höchsten Verfügbarkeit von 99 Prozent auf dem SBB-Netz. Stadler hat über 700 dieser Doppelstock-Züge in 14 Länder verkauft. Die Preisdifferenz zum siegreichen Angebot liegt bei nur 0.6 Prozent. Nach dem Vergabe-Entscheid der SBB am 7. November 2025 analysierte Stadler die Bewertungsmatrix eingehend.

• Auch nach vertiefter Analyse der vorliegenden Unterlagen kann Stadler die Punkte der Bewertung und den daraus resultierenden Vergabeentscheid nicht nachvollziehen. • Das Angebot von Stadler, basierend auf dem im täglichen Einsatz bewährten KISSDoppelstockzug, wurde gegenüber einem Zug, der lediglich auf dem Papier existiert, zu tief bewertet.

• Es ist für Stadler nicht nachvollziehbar, wie sich das siegreiche Angebot in bewerteten Kriterien wie beispielsweise Betriebskosten, Qualität, Instandhaltung, Nachhaltigkeit oder Serviceverträge abheben konnte.

Eine unabhängige Überprüfung der Vergabe ist deshalb angebracht. Stadler hat am 27. November 2025 Rekurs beim Bundesverwaltungsgericht eingereicht. Peter Spuhler: «Unabhängige Instanz soll Vergabe überprüfen»

Peter Spuhler, Verwaltungsratspräsident von Stadler erklärt: «Nach eingehender Prüfung des Vergabeentscheides können wir die Bewertung nach wie vor nicht nachvollziehen. Aus diesem Grund haben wir uns entschlossen, das im Vergabeverfahren vorgesehene Rechtsmittel des Rekurses beim Bundesverwaltungsgericht einzulegen. Das Bundesverwaltungsgericht als unabhängige richterliche Instanz soll den Vergabeentscheid auf seine Richtigkeit überprüfen.»

Die Stadler zur Verfügung gestellten Unterlagen haben keine Klarheit zu zahlreichen offenen Fragen in der Bewertung gebracht.
• So erhielt Stadler in der Kategorie Nachhaltigkeit nur halb so viele Punkte wie der siegreiche Anbieter. Dies, obwohl Stadler als einziger Anbieter den Zug vollständig in der Schweiz mit kurzen Transportwegen produzieren würde, beispielweise mit Aluminiumprofilen aus dem Wallis und mit weiteren Komponenten von Zulieferern aus der ganzen Schweiz.
• Für Stadler stellt sich zudem die Frage der Plausibilisierung: Welche Kriterien haben dazu geführt, dass ein Zug, der erst auf dem Papier existiert, bessere Werte erhält als ein seit vielen Jahren bewährter KISS-Doppelstockzug, mit belastbaren Daten?
Solche und weitere offenen Fragen konnten auch in einem Debriefing-Gespräch mit der SBB nicht ausreichend geklärt werden.
Stadler will keinen Heimatschutz – und hat ihn auch noch nie gefordert
Stadler will keinen Heimatschutz und hat ihn auch noch nie gefordert. Stadler baut auf Qualität, Zuverlässigkeit und Termintreue. Das Unternehmen stellt sich immer dem harten internationalen Wettbewerb und akzeptiert immer klare Resultate, die zu negativen Vergabeentscheiden führen. Stadler greift nur in Ausnahmefällen zum entsprechenden Rechtsmittel.

Von den gegen 17’000 Mitarbeitenden arbeiten rund 6000 in der Schweiz und 3000 in Deutschland. Bei gewonnenen internationalen Ausschreibungen entscheidet Stadler situativ, wo die Aufträge abgewickelt werden. Wenn möglich immer in der Nähe der Kunden. Der SBBAuftrag wäre vollständig in den Stadler Werken in der Schweiz gefertigt worden.

Stadler bleibt dem Heimmarkt Schweiz verbunden

Stadler baut Züge für den Heimmarkt Schweiz mit jeweils rund 80 Prozent Wertschöpfung hierzulande und über 200 lokalen Zulieferbetrieben, meist KMUs. Das Unternehmen bleibt dem Heimmarkt und der SBB stark verbunden.


Darauf reagierte die SBB mit6 foilgender Pressemeldung:

Neue Züge für Zürcher S-Bahn und Westschweiz: Grosser Preisunterschied über 25 Jahre

Die SBB nimmt die Beschwerde von Stadler Rail gegen die Vergabe neuer Doppelstockzüge zur Kenntnis. Die SBB hält fest, dass die Vergabe streng nach den rechtlichen Vorgaben abgelaufen ist. Siemens Mobility AG in der Schweiz hat das klar vorteilhafteste Angebot gemacht. Die von Stadler Rail genannte Preisdifferenz bezieht sich nur auf die Investitionskosten. Auf die ganze Lebensdauer summiert sich der Preisunterschied der Angebote auf einen dreistelligen Millionenbetrag.

Stadler Rail hat heute kommuniziert, dass das Unternehmen beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde gegen die Vergabe der 116 neuen Doppelstockzüge für die Zürcher S-Bahn und die Westschweiz eingereicht hat. Die SBB nimmt diesen Entscheid zur Kenntnis. Sie versteht die Enttäuschung der unterlegenen Anbieter.
Die SBB hat während des gesamten Verfahrens grössten Wert auf die Einhaltung der rechtlichen Vorgaben gelegt. Rollmaterialbestellungen fallen unter das öffentliche Beschaffungsrecht (BöB/VöB) und daran hat sich die SBB gehalten: Die Vergabe des Grossauftrages verlief nach einem klar definierten Prozess. Die Kriterien und Anforderungen an die Ausschreibung waren allen Anbietern transparent dargelegt und kommuniziert worden. Dagegen ging keine Einsprache ein. Alle Anbieter haben die Kriterien und Anforderungen akzeptiert (weitere Informationen: Neues Rollmaterial: Was das Gesetz erlaubt. | SBB News).
Die Siemens Mobility AG mit Sitz in der Schweiz hat das gemäss BöB/VöB «vorteilhafteste» Angebot eingereicht und deshalb die Ausschreibung gewonnen. Massgebend für den Entscheid war die sachliche und unabhängige Bewertung der einzelnen Kriterien durch rund 100 Fachspezialisten und Fachspezialistinnen der SBB. Die Auftragsvergabe war kein Kopf-an-Kopf-Rennen: Der Vorsprung von Siemens Mobility fiel klar aus.

Standardfahrzeuge mit bewährten Komponenten

Die von Stadler Rail genannte preisliche Differenz bezieht sich nur auf die Investitionskosten. Das Angebot von Siemens Mobility hat jedoch auch beim Betriebsaufwand (Kosten für Energie, Trassen und Instandhaltung) am besten abgeschnitten. Der Preisunterschied der Angebote ist signifikant: Er summiert sich über die ganze Lebensdauer von 25 Jahren auf einen dreistelligen Millionenbetrag, was die Steuerzahlenden im bestellten Regionalverkehr weniger Geld kostet.
Zu den Zügen der drei Anbieter: Alle Hersteller haben die technischen Anforderungen gemäss Pflichtenheft erfüllt. Und alle haben weiterentwickelte Standardfahrzeuge mit bewährten Komponenten angeboten.
Transparenz ist der SBB sehr wichtig, und als Vergabestelle ist sie gleichzeitig an die Bestimmungen des Bundesgesetzes über das öffentliche Beschaffungswesen gebunden. Die Vergabestelle hat die Vertraulichkeit im Ausschreibungsverfahren einzuhalten.
Wie lange die Beschaffung der 116 Doppelstockzüge durch die Beschwerde verzögert wird, kann zum heutigen Zeitpunkt noch nicht abgeschätzt werden. Die SBB bedauert die entstehende Verzögerung. Der Lieferplan sieht den Einsatz der neuen Züge ab 2031 vor.


Quelle:/Fotos: Stadler Rail Group / SBB