| Baureihe E 03/103.0 | DB/DBAG | elektrolok.de |
| Schnellzuglokomotive | 1965 bis 1997 |
| Geschichte | Farbgebung | Statistik | Fotogalerie |
Die Entwicklung
Der Krieg hatte das deutsche Verkehrssystem zum Erliegen kommen lassen. Insbesondere an die Hochgeschwindigkeitsfahrten der DRB, egal ob mit Dampfloks (BR 05, 06 und 61), E-Loks (E 19) oder Dieselfahrzeugen (Fliegende Züge), war nicht mehr zu denken. Zu schlecht war der Zustand der durch den Krieg heruntergewirtschafteten Gleise und Fahrzeuge. Zunächst machte sich die DB deshalb daran das vorhandene Material auszutauschen oder zu erneuern. Mit dem Neubauprogramm der 50er Jahre und dem Ausbau der Elektrifizierung besserte sich bis Ende der Fünfziger Jahre die Situation aber soweit, dass erste Überlegungen zu höheren Geschwindigkeiten angestellt wurden. Weite Strecken waren mittlerweile Elektrifiziert oder kurz davor unter Fahrdraht zu kommen. Aus diesem Grund schien die Beschaffung einer Hochgeschwindigkeits-E-Lok am sinnvollsten.
Zunächst dachte man an die Weiterbeschaffung einer modernisierten Version der E18/E 19, die aber aufgrund der doch veralteten Technik schnell fallen gelassen wurde. Im folgenden entschloss man sich schließlich zu einer auf der Technik der bewährten E 10 aufsetzenden Neukonstruktion. Zunächst gab es aber noch einige Fragen zu kläre, wie z.B. die Antriebstechnik, die Aerodynamik und die Vereinbarung der neuen Technik mit den bestehenden Signal und Gleissystemen. Im März 1961 gab die DB den deutschen Lokomotivfabriken den Auftrag sich mit dem Entwurf einer Lok mit 5000 kW Nennleistung und 200 km/h Höchstgeschindigkeit zu beschäftigten. Erste Entwürfe der Firma Henschel aus dem Jahre 1961/62 sahen eine sechsachsige Lokomotive (Co'Co') vor, deren Frontpartie an die der österreichischen 1042 angelehnt worden war. Das Konsortium Krupp/AEG präsentierte dagegen Entwürfe für eine (1Bo)(Bo1) und eine (1A1)(1A1)-Lok.
Um die Arbeiten zu beschleunigen, entschloss ich die Hauptverwaltung der DB die Vorarbeiten einem Konsortium aus Henschel und Siemens zu übergeben. Geplant war bis zu IVA 1965 in München vier Erprobungsträger zur Verfügung zu haben. Am 7. Dezember 1962 wurde schließlich der offizielle Entwicklungsauftrag an die beiden Lokfabriken erteilt. Im verlauf der Entwicklung wurden eine ganze Reihe von Vorschlägen auf ihre Tauglichkeit überprüft, verworfen oder verändert und neu untersucht. Schließlich standen nur noch zwei Antriebsvarianten zur Debatte. Um möglichst realitätsnahe Antworten auf viele offene Fragen zu erhalten, entschloss sich die DB zwei Loks der Baureihe E 10 als Erprobungsträger herzurichten. Die Wahl fiel auf die von Krauss-Maffei und Siemens herzustellenden E 10 299 und 300.
Beide Loks wurden aus der Serienlieferung entnommen und für den Probeeinsatz entsprechend hergerichtet. So gab es u.a. Änderungen am Motorgehäuse, neue Antriebe, Getriebe (1:1,584 bzw. 1:1,571), Achslager und abweichende Stromabnehmer. Als Teststrecke wurde ein Abschnitt zwischen Bamberg und Forchheim entsprechend hergerichtet. Wenige Tage vor dem Testbeginn, am 24. September 1963, war dann die Baugenehmigung für vier Prototypen der geplanten BR E 03 erteilt worden. Als erste Probe-E 10 war die E 10 299 fertig, die am 26. September 1963 ins Bw Nürnberg geliefert wurde. Kurze Zeit später fanden mit ihr die ersten Versuchseinsätze statt. Ab 19. November 1963 stand auch die E 10 300 zur Verfügung. Alle Erkenntnisse flossen unmittelbar in die in Bau befindlichen Loks ein. Zum Vergleich weilten auch kurzzeitig die E 10 105, E 10 1265, E 10 1270 und E 10 108 in Bamberg.
Ende 1964 wurden die Ablieferungstermine der Loks auf den 1. Februar (E 03 001), 15. März (E 03 002), 15. April (E 03 003) und 1. Mai 1965 (E 03 004) festgelegt. Am 11. Februar 1965 sollte die erste Lok in einem Festakt unter Anwesenheit prominenter Politiker an die DB übergeben werden. Doch zeigte sich im Januar, dass diese Termine trotz fieberhafter Arbeit im Werk nicht gehalten werden konnten. Um wenigstens eine Lok zur bevorstehenden Feier fertig zu haben, wurde zunächst die am weitesten vorangeschrittene E 03 002 fertiggestellt und kurzerhand als E 03 001 beschildert. Nach dem Festakt, bei dem u.a. auch der Bundespräsident anwesend war, kam die Lok für letzte Anpassungsarbeiten noch mal kurz zurück ins Werk und wurde schließlich am 18. Februar 1965 an die DB übergeben. Die Lok, immer noch als E 03 001 bezeichnet, wurde zunächst nach Bayern geschleppt und dort wenig später in die Testfahrten um Bamberg miteinbezogen.
Am 26. März 1965 war schließlich auch die echte E 03 001 fertig und die Lokschilder konnten nach der Ankunft in Bamberg wieder getauscht werden. Auch die verbleibenden zwei Loks (E 03 004 am 21. April und E 03 003 am 1. Juni) konnten rechtzeitig vor der IVA-Eröffnung abgeliefert werden. Die letzten Wochen vor ihrem ersten großen Auftritt wurden die Loks für die Lastprobe- und Abnahmefahrten vorbereitet. Als erstes absolvierte die E 03 004 am 27. Mai 1965 zwischen Nürnberg und München ihre Lastprobefahrt und wurde noch am gleichen Tag offiziell in den DB-Bestand übernommen und dem Bw München zugeteilt. Die selbe Prozedur folgte am 11. Juni (Lastprobefahrt)/14. Juni (Abnahme) mit E 03 001 und am 20. Juni (Lastprobefahrt)/22. Juni (Abnahme) mit E 03 004. Damit fehlte nur noch E 03 003. Zudem wurde für den bevorstehenden IVA-Einsatz mehrmals mit einer E 03 Messwagen und der späteren Showzuggarnitur testweise zwischen München und Augsburg mit 200 km/h gefahren.
Die IVA'65
Am 25. Juni 1965 wurde die IVA in München eröffnet. Höhepunkt waren natürlich die neuen Renner der DB. Während die noch nicht abgenommene E 03 003 zusammen mit einem neuen TEE-Reisezugwagen auf dem Austellungsgelände zu sehen war, wurden die drei anderen Loks vor Showzügen mit 200 km/h vom Messegelände nach Augsburg und zurück eingesetzt. Jeder Besucher konnte dabei für 4 DM (Wochenendfahrten, die am Hbf endeten kosteten 3 DM) an einer dieser Fahrten teilnehmen. Die Strecke München-Augsburg hatte dafür extra auf zwei Abschnitten eine Ausnahmegenehmigung für den planmäßigen Reisezugverkehr bekommen. So wurde zwischen Lochhausen und Gröbenzell sowie Malching und Kissing die planmäßige Höchstgeschwindigkeit erreicht. Um die Sicherheit zu erhöhen, war verfügt worden, dass den Zügen während der Hochgeschwindigkeitsfahrt kein Güterzug begegnen und sich im 200 km/h-Streckenbereich kein Wendezug befindet durfte.
Jeden Tag wurde planmäßig um 13.20 ab dem IVA-Bahnhof gefahren. Nur 26 Minuten später war Augsburg erreicht. Die Rückleistung erfolgte ab Augsburg um 14:08 Uhr. Bei großer Nachfrage und am Wochenende gab es noch einen zweiten Zug um 16:33 Uhr ab IVA-Bahnhof bzw. 17:16 Uhr ab Augsburg, der auch in München-Pasing hielt. Vor den Fahrten war die Garnitur im Bf München Ost abgestellt und wurde auf den nächsten Einsatz vorbereitet. Der IVA-Bahnhof befand sich übrigens in den Nähe des Bahnhofs München Süd unmittelbar am Ausstellungsgelände, wo sich heute ein Tunnel befindet. Der Showzug wurde zunächst in der Regel aus sechs bis sieben für 200 km/h zugelassenen blauen Am-Wagen gebildet, später kamen vermehr die neuen TEE-Wagen zum Einsatz. Aus Sicherheitsgründen hatten man am ersten Tag in München-Pasing und Augsburg je eine Sicherheitslok hinterstellt um die 200 km/h-Fahrt für die Prominenz auf jeden Fall durchführen zu können. Für den weiteren IVA-Betrieb sah man vor, bei Ausfall der 200 km/h-Fahrt oder Nichterreichen der 200 Km/h den Fahrgästen das Geld zurückzuzahlen. Den Eröffnungszug zog die E 03 001, wohingegen die meisten anderen Fahrten zunächst von der E 03 004 bespannt wurden.
Während die E 03 001 danach seltener vor den Zügen zum Einsatz kam, konnte E 03 002, wegen bei der Abnahmefahrt festgestellten Mängel an der Bremsanlage, zunächst nur für Versuchs- und Testeinsätze, nicht aber für die Showzüge herangezogen werden.
Der Andrang war enorm - jeder wollte die neuen Stars der Bahn sehen. Dabei fiel es gar nicht auf, dass die auf dem Ausstellungsgelände gezeigte E 03 003 gar nicht mehr betriebsfähig war. Die Lok musste, um die Showfahrten der anderen Loks nicht zu gefährden, ihre Drehgestelle an die E 03 004 abgeben, da an dieser Lok bald nach Aufnahme der Fahrten Probleme aufgetreten waren. Den Austausch übernahmen die beiden Herstellerfirmen Henschel und Siemens im AW München-Freimann zwischen dem 2. und 8. Juli 1965. Gleichzeitig baute man aus der E 03 003 auch die Fahrmotoren aus, um genügend Ersatzteile zur Verfügung zu haben. Wahrscheinlich weilte zu dieser Zeit die E 03 002 auf dem Ausstellungsgelände und die E 03 001 übernahm die planmäßigen Fahrten nach Augsburg (über eine Bestätigung wäre ich dankbar). Ansonsten war, neben den beiden verplanten Loks auf dem Ausstellungsgelände (E 03 003) und der Zuglok für die 200 km/h-Fahrten, in der Regel eine Lok als Reserve abgestellt und eine Lok konnte bei Bedarf in die Werkstatt
Zwischen dem 26. und dem 28. Juli kam dann die E 03 002 ins AW München-Freimann, um die Mängel an der Bremsanlage zu beheben. Im Anschluss an die Arbeiten absolvierte die Lok am 17. September 1965 eine zweite Abnahmefahrt von München nach Landshut und zwei Tag später eine Schnellfahrt mit 200 km/h von München nach Augsburg. Nachdem keine weiteren Mängel festgestellt worden waren, konnte die Lok endlich auch für die IVA-Fahrten verwendet werden. Damit standen bis zum Ende der IVA am 3. Oktober nun 3 Loks für die Schnellfahrten zur Verfügung. Lediglich die E 03 003 war mit den defekten Drehgestellen der E 03 004 nicht betriebstauglich.
Nach dem Ende der IVA zog die DB ein positives Ergebnis. Die Schnellfahrten hatten ein positives Echo bei der Bevölkerung hinterlassen. Auch war es zu keinem ernsten Zwischenfall gekommen, sieht man von einigen Problemen mit dem Stromabnehmern der Bauart "Wanisch-Wippe" ab, die auf der E 03 002 und 004 vorhandne waren. Desöfteren war es zu "Bügel-Entgleisungen" gekommen.
Die Glanzzeit von 1965 bis 1971
Ab Oktober 1965 wurden die betriebsfähigen E 03 001, 002 und 004 wurden nun wieder vermehrt für Erprobungsfahrten herangezogen. Einige Messfahrten wurden dabei auch im Planbetrieb bis 160 km/h vor TEE- und F-Zügen durchgeführt. Die E 03 003 musste dagegen zunächst zur Reparatur zurück ins AW. Am 18. November 1965 absolvierte sie dann eine Lastprobefahrt von München nach Salzburg und zurück. Dabei wurden allerdings erneut erhebliche Mängel festgestellt, so dass die Lok immer noch nicht abgenommen werden konnte. Zusammen mit den beiden Herstellerfirmen musste die Lok erneut untersucht werden. Erst am 15. April 1966 konnte die Abnahme der E 03 003 erfolgreich absolviert werden. Wie schon ihre drei Schwestern wurde die E 03 003 dem Bw München zugeteilt.
Wie bei jeder neuen Baureihe mussten zunächst einige "Kinderkrankheiten" beseitigt werden. So waren die Loks häufig wegen Gewährleistungsmängeln zur Reparatur im AW München-Freimann. Die Schäden wurden dabei von Henschel und Siemens behoben. Trotzdem zeigte sich bald, dass die Lok, die in sie gesetzten Erwartungen voll erfüllen konnte. Damit war der Weg frei für den ersten Planeinsatz.
Zum Sommerfahrplan 1966 wurde ein erster Planumlauf mit drei Tagen aufgestellt. Starleistung war dabei der Langlauf mit dem TEE 55/56 "Blauer Enzian" zwischen München und Hamburg. Daneben gehörten noch die Beförderung des F 33/34 "Gambrinus" zwischen München und Nürnberg und der F 27/28 "Rheinblitz" zwischen München und Stuttgart zum Planeinsatz dazu. Als Reservelok kam übrigens die immer noch für 200 km/h zugelassene E 10 300 zum Einsatz. Die vierte Lok - meistens die E 03 004 - war dagegen beim BZA Minden als Versuchslok im Einsatz.
Im Winterfahrplan 1966/67 kamen weitere Leistungen nach Nürnberg (D 551, D 552 und D 590) sowie nach Regensburg (D 518, 138) hinzu. Dafür entfiel zunächst der F-Zug nach Stuttgart. Hintergrund waren Probleme der Lok auf der Geislinger Steige. Die hohen Anforderungen verursachten öfters "kochendes Kühl- und Isolieröl". Die hohen Temperaturen bewirkten einen Leistungsabfall, der auch nach Ulm nicht gänzlich behoben werden konnte. Zwar versuchte die DB zunächst mit der Durchfahrt des Bf Geislingen Erleichterung zu schaffen, jedoch war immer häufiger eine Schiebelok erforderlich.
Auch die Schäden und Reparaturen führten immer wieder zum Ausfall mehrerer Loks. So weilte die E 03 002 nach einer Flankenfahrt zwischen dem 12. September und dem 29. Oktober 1966 zur Reparatur im AW München-Freimann. Im Jahr 1967 waren zeitweise drei Loks (E 03 002-004) gleichzeitig im AW. Trotzdem stellte das Bw München zum Winterfahrplan 1967/68 einen viertägigen Umlauf für die Renner auf. Als Ersatzlok weilte weiterhin die E 10 300 in München, aber auch andere E 10er mussten des öfteren aushelfen. Die durchschnittliche Laufleistung betrug nun 1059 km. Weiterhin war TEE 54/55 Blauer Enzian (Mü - Hamburg) der Starzug. Daneben gehörten auch TEE 21/22 Rheinpfeil zwischen München und Nürnberg, TEE 11/12 Rembrandt zwischen München und Stuttgart, F 27/28 Rheinblitz zwischen München und Stuttgart sowie einige D-Züge zu den vorgesehenen Leistungen.
Die vier Vorauslokomotiven erfüllten nun das in sie gesetzte Leistungsprogramm (beförderung leichter Züge bis 300 t mit 200 km/h) zur vollsten Zufriedenheit. Allerdings änderte sich die Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung (EBO) im Jahr 1967, so dass nun schwere D-Züge bei entsprechender bremstechnischen Ausrüstung nun mit 160 km/h statt 140 km/h befördert werden durfte. Dafür waren die vier Vorseriensloks allerdings nicht konstruiert worden, so dass die geplante Serie nun hinsichtlich des neuen Betriebsprogramms angepasst werden musste. Ein baugleicher Nachbau der Vorserienloks wurde somit zugunsten einer schwereren Variante, der späteren 103.1, fallen gelassen.
1967/1968 standen die ersten Hauptuntersuchungen bei den vier Probelokomotiven an, da die Laufleistungsgrenze damals noch bei 400.000 Kilometer festgesetzt worden war. Um nicht alle Loks gleichzeitig untersuchen zu müssen, wurden die Loks im Abstand von zwei bis drei Monaten zur Untersuchung abgegeben. Zudem bekamen die Loks ab dem 1. Januar 1968 die neue Computernummer 103. Die Untersuchungen wurden alle im AW München-Freimann durchgeführt:
| Lok | Kilometerstand | Aufenthalt im AW |
| 103 001 | 398.000 km | 20.09.1967 - 29.11.1967 |
| 103 003 | 394.000 km | 10.11.1967 - 30.01.1968 |
| 103 004 | 437.000 km | 04.01.1968 - 31.03.1968 |
| 103 002 | 371.000 km | 03.04.1968 - 21.05.1968 |