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Ungelöste Fälle aus der Welt der Eisenbahn



Akte E - Ungelöste Fälle aus der Welt der Eisenbahn

L01 - Regenrinne und Griffstangen an den Einheitsloks

Sascha Jansen schickte folgende Frage:

Hallo !
Ich wollte noch eines wissen: Weshalb hatten eigentlich die "Einheitsbaureihen" sowie die E 03 vorne eine Griffstange, bzw. Handlauf und Regenrinnen? Warum wurden diese entfernt - war es nicht praktischer, als sie noch vorhanden waren? Was mich noch interessieren täte: Warum haben eigentlich manche Loks die "eckigen" Lüftergitter, manche doch die "runden" mit waagerechten/senkrechten Lamellen. Bei der BR 110 mit der Bügelfaltenform fällt mir auch auch, dass manche ein Maschinenraumfenster haben, manche aber nicht.

Was elektrolok.de meint:
Soviel ich weiß, war der Abbau rein aus Korrissionsgründen vorgenommen worden. Die Regenrinne und die Griffstangen führten zu einem erhöhten Rostbefall an den entsprechenden Stellen. Um dies zu vermeiden, wurde diese zwar praktischen aber entbehrlichen Teile entfernt. Allerdings bin ich mir da auch nicht 100%-ig sicher. Welcher User weiß mehr?


Antwort von Andreas Wegner:
Der Abbau erfolgte wegen der Korrosion. Die ersten Loks der Einheitselloks wurden mit abgerundeten erst waagrechten später senkrechten. Bei den letzten Serien kamen dann die eckigen zum Einsatz welche später auch an früheren Serien eingebaut wurden.
Die Bügelfalten 110 hatte ursprünglich eine durchgehende Lüfterreihe die an den Enden abgerundet war. Später erhielten sie auch die eckigen Lüftungsgitter. Manche bekamen zusätzlich noch ein Maschienenraumfenster
MfG
Andreas


Antwort von Tristan Engelmann.
Hallo, zu den Einheitsloks kann ich auch was beitragen:
Die erste Form der Lüfter waren die mitwaagerechten Lamellen. Übrigens hatten die ersten 141/E41 auch 3 Maschinenraumfenster, auf einer Seite zwei, auf der anderen eines. Doch diese E41 neigten zu Überhitzung des Maschinenraums, also wurden die Fenster durch Gitter erstetzt, spätere Serien entsprechend ausgeführt. Irgendwann wurden die waagerechten Lamellen durch senkrechte ersetzt. Die Bügelfalten-110 basiert auf der flachen 110, hat also mit Ausnahme der Führerstandsfronten den selben Lokkasten. Also auch mit 7 Öffnungen je Seite. Das durchgehende Lüfterband war an den Stellen ohne Öffnung schlicht und ergreifend Atrappe. Die eckigen Gitter, die sog. "Gitter Bauart Klatte" wurden später eingeführt, (sie waren für die 111 und 151 entwickelt worden) da sie einfach auf den Lokkasten aufgeschraubt wurden, also leichter an- und abzubauen waren, sie also wartungsfreundlicher waren als die wie Fenstersheiben im Lokkasten fixierten Runden. Es gab auch ein Klattefenster. Die Einheitsloks ( 110 flach, 110 Bügelfalte, 140, 141, 150) wurden während ihrer AW-Aufenthalte umgerüstet. da kam es zu den vielen unterschiedlichen Varianten, auch bei anderen Einheitsloks. Bei einigen wurden nur die Gitter getauscht, bei anderen auch die Masch.-Raum-Fenster. Speziell bei den Bügelfaltenmaschinen gab es so viele Varianten, weil bei einigen die Gitter auch wieder durchgehend, also teilweise als Atrappe, bei anderen nur auf die Karosserieöffnungen aufgeschraubt wurden. Einige Bügelfalten bekamen dann ein Klattefenster, andere ein bei einer anderen Maschiene frei gewordenes altes rundes Fenster. Es gab auch Maschinen, die nie umgerüstet wurden.
Interessante Nebenbemerkung: An den 111 wurden meines Wissens nie Klattefenster montiert, sie tragen weiterhin seid ihrer Auslieferung Klattegitter, aber runde Fenster.


Ein Beitrag vom E-Lok-Woife zum Thema "Umlauftrittroste und -Griffstangen, Regenrinnen und Lüftergitter":
Die Einheits-E-Loks erhielten bei Ihrer Anlieferung an den Stirnseiten Umlauftrittroste und Griffstangen, da die Fensterreinigung damals noch ausschließlich manuell erfolgte - und das nicht nur in den Bw, sondern auch auf Zwischenbahnhöfen. Die Umläufe wurden auch vom Rangierpersonal benutzt. Besonders für die Rangierer waren diese Trittroste jedoch unzweckmäßig, weshalb Anfang der 70er Jahre damit begonnen wurde, zusätzliche Rangierertritte mit entsprechenden Haltegriffen an den Lokenden anzubringen. Die kaum mehr genutzten Umlaufroste mit ihren Griffstangen wurden ab Anfang der 70er Jahre allmählich entfernt.
Um das vom Schleifstückabrieb relativ schmutzige Dachregenwasser kontrolliert abfließen zu lassen, erhielten die Einheits-E-Loks zunächst Regenrinnen. Diese waren an den Ecken unterbrochen. Der Luftwirbel an den Kastenecken sollte das Regenwasser an diesen Stellen leicht anheben und dafür sorgen, daß das Regenwasser nicht direkt am Lokkasten entlang ablief - was aber nur bei höheren Geschwindigkeiten wirklich funktionierte. Besonders bei den im Ruhrgebiet eingesetzten Maschinen machten sich wegen der dort massiven Luftverschmutzung an den Regenrinnen schon bald starke Korrosionsschäden bemerkbar. Deshalb verzichtete die DB ab 1967 bei neu gebauten E-Loks auf die Regenrinnen (E 10 477 ff, E 40 631-634 und E 40 673 ff, 141 436 ff sowie E 50 128 ff). Im Zuge von Hauptuntersuchungen wurden ab 1971 bei älteren Einheits-E-Loks die Regenrinnen abgeflext.
Die Anfangs bei den Einheits-E-Loks verwendeten Schweiger-Lüftergitter mit querliegenden Lamellen sind Weiterentwicklungen der von Vorkriegsbauarten bekannten Lamellenlüftergitter. Da die Einsaugschlitze dieser Gitter relativ breit sind, gelangte durch sie nicht nur Kühlluft, sondern auch Schmutz und Flugschnee in den Maschinenraum. Versuchsweise erhielten daher zwei E 41 im Jahre 1958 neue Lüftergitter eingebaut: an E 41 011 wurden Staudruckgitter getestet, an E 41 012 Düsenlüftergitter. Während sich die Staudruckgitter schon nach wenigen Wochen als völlig unbrauchbar erwiesen, bewährten sich die Düsengitter hervorragend. Sie wurden daher ab E 10 216, E 40 1163, E 41 079 und E 50 042 serienmäßig eingebaut. Aus optischen Gründen erhielten die Bügelfalten-E 10 ein durchgehendes Düsenlüfterband. Allerdings waren bei den Herstellern noch zahlreiche Schweigergitter auf Lager, die bei einigen E 41 aufgebraucht wurden, weshalb es bei dieser BR noch höhere Ordnungsnummern als 079 mit Schweigergittern gibt. Die letzte E 41 mit Schweigergittern ab Werk war E 41 120.
Der einzige Nachteil der Düsenlüftergitter bestand in der aufwendigen Reinigung, da das Demontieren dieser Gitter sehr zeitintensiv war. Daher kamen ab 140 757 bzw. 150 156 die Vorläufer der Klattegitter zum Einbau. Diese Gitterbauform ist leicht in zwei Teile zu Zerlegen und kann dann ziemlich einfach mit Hochdruckreinigern gesäubert werden. Diese eckigen Lüftergitter wurden zu den Klatte-Gittern weiterentwickelt auf die heute fast alle Einheits-E-Loks umgerüstet sind.
Ha det bra
Woife


Beitrag von Bernd Zöllner Neu!
Hallo,
die Hinweise zum Grund des Abbaus der Regenrinnen an den Einheitsloks laufen zwar in die richtige Richtung (Korrosion), treffen den entscheidenden Punkt aber leider nicht.
In der Ausgabe 4/71 der Zeitschrift "Lokomotivtechnik" wird das die Problematik sehr anschaulich durch eine entsprechende Zeichnung dargestellt.
Dazu gibt es auch eine Erläuterung, die den Sachverhalt auf den Punkt bringt.
Originalzitat:
"Die umlaufende Regenrinne am Lok-Kasten besteht, wie in Bild 10 gezeigt, aus einem zweifach gekanteten Blechstreifen, der auf die Dachhaut aufgeschweißt ist, die obere Naht durchlaufend dicht, die untere jedoch unterbrochen. In den so gebildeten Spalt zieht nach der Zermürbung des Anstrichs Feuchtigkeit ein; die Zerstörung beginnt unsichtbar und endet meist mit einem durchgerosteten Dachblech. In Auswertung dieser Erkenntnisse entfällt die Dachrinne bereits bei den Loks der neueren Bauserien. Soweit sie an den älteren Loks noch vorhanden ist, wird sie bei jeder sich bietenden Gelegenheit entfernt und die Schäden im Dachblech ausgebessert."
Mit freundlichen Grüßen
Bernd Zöllner



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