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Ungelöste Fälle aus der Welt der Eisenbahn



Akte E - Ungelöste Fälle aus der Welt der Eisenbahn

Fall 30 - Italienische Neubaustrecke?

Sascha Jansen schickte folgende Fragen:
Das beigefügte Bild zeigt eine Neubaustrecke in Italien. Doch um welche handelt es sich ? Warum hat die Lok hinten eine Schiebetür und warum haben FS-Fahrzeuge grundsätzlich einen Scherenstromabnehmer? Wurden auf dieser Neubaustrecke auch neue Bahnhöfe gebaut?



Antwort von Jan Kajzar:
Hallo,
nur zu der Lok kann ich etwas beitragen.
Warum hat die Lok eine Schiebetür an einem Lokende?
Es handelt sich um "Triebkopf"-Loks der FS-Baureihe E464, die ähnlich der Re450 der Züricher S-Bahn ein Gepäck- bzw. Dienstabteil besitzen und jeweils fest mit einer Wageneinheit gekuppelt verkehren. Sie haben deshalb nur an einer Seite einen regulären Führerstand. Am anderen Lokende ist ein konventioneller Wagenübergang nach UIC. Das ist im Prinzip vergleichbar mit den ICE1- und ICE2-TKs. Im Gegensatz zu den ICE-TKs und der Re450 besitzt die E464 aber am Wagenende noch einen Hilfsführerstand, der im Notfall und nur mit verringerter Geschwindigkeit benutzt werden kann. Auch von der BR 146 war wohl mal so eine Triebkopfvariante geplant. von der E464 finden sich einige Bilder auf dem bekannten Mercurio-Server.
Warum haben FS-Fahrzeuge prinzipiell Scherenstromabnehmer?
Die Frage nach dem Grund kann ich zwar nicht beantworten, aber zumindest die E412 hat Einholmstromabnehmer.
Schöne Grüße
Jan Kajzar

Antwort von Detlef Winkler:
Hallo,
Leider kann ich zur gezeigten Stecke nichts sagen, aber die Lok ist eigentlich ein Triebkopf, d.h. "hinten" ist nur ein Hilfsführerstand. Offensichtlich hat die Lok (oder der Triebkopf) dort noch einen Gepäckraum, deshalb die Schiebetüren.
Bei den Stromabnehmern kann ich nur vermuten: (Voll-)Scherenstromabnehmer sind stabiler als Halbscheren- oder Einholmstromabnehmer. Da in Italien mit Gleichstrom gefahren wird (niedrige Spannung - hoher Strom) fallen die Schleifstücke recht schwer aus, was wiederum den Einholmstromabnehmer noch instabiler macht. Wenn also nicht unbedingt die aerodynamischen und Gewichtsvorteile des Einholmstromabnehmers eine Rolle spielen (also bei Geschwindigkeiten bis etwa 140 km/h), ist der Vollscherenstromabnehmer von der Stabilität her die bessere Wahl. Bei Mehrsystemloks ist es dann wieder eine Platzfrage, die auch für Gleichstromsysteme den Einholmstromabnehmer bedingt, da müssen ja meistens vier Stromabnehmer untergebracht werden. Andererseits haben z.. B. die BR 180 und CD 371/372 auch zwei Einholmstromabnehmer, trotz einer Hg von 120 km/h (371 ist ja erst durch Umbau aus der 372 entstanden) und Gleichstromsystem und trotz der Tatsache, dass für beide Stromarten die selben Stromabnehmer benutzt werden. Aber in der Technik gibt es eben immer wieder verschieden Wege zum Ziel.
Viele Grüße
Detlef Winkler

Beitrag von Sven Heydecke:
Hallo zusammen,
Das Bild sieht ganz danach aus, als wäre es vom Ende eines der beiden Bahnsteige der »Neubaustrecke« zum römischen Flughafen »Leonardo da Vinci«, auch bekannt als Rom Fiumicino. Sie zweigt in Ponte Galeria von der Verbindung entlang der Westküste (Richtung Grosseto/Pisa) ab.
Sven Heydecke

Beitrag von Claus-Jürgen Schulze: Neu!
Es handelt sich in der Tat um die Einfahrt in den Flughafenbahnhof Fiumicino. Die ergibt sich aus der Aufteilung auf drei Bahnsteiggleise. Bei dem abgebildeten Zug handelt es sich um einen der im Halbstundentakt verkehrenden Flughafenzüge "Leonardo da Vinci-Express", die ohne Halt von Roma Termini zum Flughafen Fiumicino verkehren ( Fahrzeit 31 Minuten ), nur erste Klasse führen und mit Sondertarif benutzbar sind. Diese Züge sind ausschließlich mit den Wendezuglokomotiven der Reihe E 464 bespannt. Die Fahrkarten werden in Roma Termini übrigens ganz unbürokratisch und ohne Wartezeit direkt an einem mobilen Sonderschalter am Bahnsteig vor dem Zug verkauft. Die Züge verkehren auf die Minute pünktlich und stellen eine hervorragende Verbindung von Rom zum Flughafen dar!
Claus-Jürgen Schulze

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