Akte E - Ungelöste Fälle aus der Welt der Eisenbahn
Fall S06 - Fahrleitung des Postamts Berlin 77
Hier ein kleines Problem, eventuell geeignet für die Rubrik "Akte E": Wie sah die 2-polige Fahrleitung des Postamts
Berlin 77 ursprünglich aus? Hier die Vorgeschichte:
Vor einiger Zeit habe ich mir, etwas unbedarft, die Länderbahn-Variante der Dingler-Postlok gekauft, die durch die
ungewöhnliche Anordnung zweier nebeneinander liegender Pantographen auffällt. Ein Vorbildfoto habe ich vom
Hersteller bekommen.
Die Lok war bis zur Umstellung auf Dieselbetrieb in den 60er Jahren beim Postamt 77 in Berlin(-West) am
Gleisdreieck/Luckenwalder Strasse im Einsatz, wickelte den Verschub der Bahnpostwagen des Potsdamer und
Anhalter Bahnhofs ab, und befindet sich heute im DTM Berlin. Ende der 20er Jahre war die Fahrleitung auf Rückleitung
durch das Gleis umgebaut worden, übrig blieb ein asymmetrisch angeordneter Stromabnehmer. Eine ähnliche, jedoch
von Anfang an einpolige Anlage existierte auch am Schlesischen Bahnhof (heute Ostbahnhof).
Da ich für die Lok ein kleines Rangiermodul mit der ursprünglichen 2-poligen Fahrleitung einrichten wollte, habe ich mich
nun um Informationen zum Vorbild bemüht. Je mehr ich suchte, desto interessanter wurde es, denn bisher scheint recht
wenig darüber publiziert worden zu sein. Das bekannte Buch zu den Werkbahnen in West-Berlin (B. Schulz & M. Krolop)
sowie Anfragen bei Drehscheibe online und im Länderbahn-Forum brachten keine wesentlich neuen Erkenntnisse.
Einen guten Abriss über das Postamt fand ich in einer Ausgabe der "Berliner Verkehrsblätter". Die bisher ergiebigste,
hochinteressante Quelle ist ein Originalartikel in einer Fachzeitschrift von 1912 vom damals zuständigen Postdirektor,
den ich mir in der Bibliothek besorgen konnte. Damals befand sich die Anlage Luckenwalder Strasse jedoch noch im
Bau, und so bezieht sich der Text mehr auf die anderen, bereits in Betrieb befindlichen Anlagen. Zu Fotos oder Skizzen
der Oberleitung gilt nach wie vor: Fehlanzeige!
Andreas Werner