Mit der E 44 entstand eine Baureihe, deren Konstruktionsprinzip für viele spätere Generationen elektrischer Lokomotiven in Deutschland – sei es West oder Ost richtungweisend war. Als erste in großen Stückzahlen hergestellte Elektrolokomotive in Deutschland wies die E 44 Drehgestelle mit Einzelachsantrieb und im Drehgestell gelagerten Motoren auf – ein entscheidender Fortschritt, der heute nach wie vor Bestand hat. Erstmals waren auch alle wesentlichen Bauteile wie zum Beispiel Rahmen und Kastenaufbau geschweißt, wodurch das Gewicht im Vergleich zu den Vorgängerbauarten deutlich sank und den Verzicht auf die bis dahin obligatorischen Laufradsätze ermöglichte. Die E 44 hat damit den Weg zur modernen Elektrolokomotive unserer Tage nachhaltig beeinflusst und war auf vielen elektrifizierten Strecken der DRG, DB und DR lange allgegenwärtig. Die als „Mädchen für Alles" geltenden Lokomotiven verkörperten dabei stets das Bild des soliden und zuverlässigen Arbeitstieres auf Schienen.
Gegenüber der Erstauflage von 1985 ist das Buch nicht zuletzt dank der Auswertung zahlreicher, erstmalig ausgewerteter Archivmaterialien vollständig überarbeitet und neu bebildert.
Inhalt:
Die Entstehung der Baureihe E 44
Die Probelokomotiven
Einsatz und Bewährung der E 44 001
Von den Probelokomotiven zur Serie
Die geplante Weiterentwicklung der E 44 zur E 46
Technik und Bauart der Baureihe E 44
Gesichter der E 44
Messfahrten
Hersteller- und Betriebsdaten
Beschaffung, Inbetriebsetzung und Entwicklung des Bestandes (DRB/DRB, DB, DR)
Betrieb der E 44 in drei elektrifizierten Teilnetzen
Betriebsdienst in Süddeutschland
Verschrottung der E 44 der DB
Die E 44 in Farbe
Betriebsdienst in Mitteldeutschland
Betriebsdienst in Schlesien
Bekannt gewordene Unfälle mit E 44
Heizlokomotiven und Energiespender
Erhaltene Lokomotiven der Baureihe E 44
Ausgewählte Lokomotiv-Lebensläufe
Verbleib aller Lokomotiven der Baureihe E 44
Literaturverzeichnis
Verzeichnis der abgebildeten Lokomotiven
elektrolok.de-Bewertung
Sehr lange mussten Fans der E44 auf eine Neuerscheinung des Baureihenbuchs über die E 44 des Eisenbahn-Kuriers warten. Mit neuem Autor, deutlich erweiteter Aufmachung und mit neuen Infos, Bildern und Fakten versehen hat sich das Warten aber auch gelohnt. In einer ersten zwölfseitigen Übersicht befasst sich das Werk zunächst mit einer Entstehungsgeschichte der berühmten Bo'Bo'-Baureihe, wobei natürlich auch die Probelokomotiven E 44 001, 101 und 201 Erwähnung finden. Der E 44 001 ist dabei ein besonderes Augenmerk gewidmet. Aber auch die Weiterentwicklung zur Serienreife und das geplante Projekt "E 46" findet ihren Platz.
Auf knapp 50 Seiten wird dann die Technik und Bauart der Baureihe E 44 näher beleuchtet. Mechanischer Teil und die Hauptbauteile des elektrischen Teils werden dabei reich bebildert im Detail dargestellt. Auch auf Bauartänderungen, den Anstrich oder Beschriftungsvarianten wird in eigenen Unterkapiteln näher eingegangen. Im Gegensatz zum kürzlich erschienen Buch über die E 41 aus dem gleichen Verlag sind die Texte dabei auch für Laien gut verständlich ohne sich aber zu sehr in technische Feinheiten zu verlieren. Dennoch werden z.B. die verwendeten Transformatorenarten oder spezielle Unikate wie die modernisierte 144 158 und die aus E244 umgebauten E 44 188 und 189 in eigenen Unterkapiteln erwähnt. Abschließend findet sich hier auch eine statistische Aufstellung mit wichtigen Hersteller- und Betriebsdaten der E44er, angefangen von der Anlieferung und den Lieferfirmen über Erstzuteilung und letztem Bw bis hin zu z-Stellung und Ausmusterung.
Die Einsatzgeschichte wird getrennt nach den Einsatzgebieten Süddeutschland, Mitteldeutschland und Schlesien behandelt. Mit knapp 200 Seiten liegt hier der Schwerpunkt des Buchs.
Zunächst wird in einem einleitenden Text eine kurze allgemeine Übersicht zur Beschaffung, Inbetriebsetzung und Entwicklung des Bestandes von den ersten Lieferungen über Kriegsschäden bis zur Ausmusterung der letzten Loks in Süddeutschland und bei der SBZ/Deutschen Reichsbahn gegeben. Anschließend wird der Betriebsdienst getrennt nach den genannten Regionen ausführlicher dargestellt. Mit etwa 160 Seiten sind die süddeutschen Betriebswerke vertreten, die nach einer chronologischen Übersicht alphabetisch dargestellt sind. Neben Stationierungslisten finden sich hier auch Informationen zu den Einsätzen und einige Laufpläne. Abschließend findet sich eine kurze Übersicht über die Verschrottung der E 44 bei der DB. Durch einen mehrseitigen Farbbildteil getrennt wird dann in ähnlicher Weise die rund 80-seitige Einsatzgeschichte in Mitteldeutschland dargestellt. In einer chronologischen Übersicht wird auch hier die Entwicklung vor und im Krieg, der Abtransport in die UdSSR, dortige Umbauten, Rückkehr und Wiederaufbau in der DR bis zur Abstellung behandelt. Anschließend wird die E44-Beheimatung in den Betriebswerken der Deutschen Reichsbahn analog dem DB-Teil aufgeführt. Obwohl nur gut fünf Seiten stark konnten auch über den Betriebsdienst in Schlesien einige interessante Fotos und Fakten zusammengetragen werden.
Spezielle Kapitel sind anschließend den Unfällen (ca. 4 Seiten), den Heizlokomotiven (ca. 6 Seiten) sowie den heute noch erhaltenen Lokomotiven (5 Seiten) gewidmet. Den Museumsloks E 44 002 und E 44 046 ist anschließend noch etwas mehr Platz spendiert worden. Statistiker dürften sich dann noch über einige ausgewählte Loklebensläufe u.a. der E 44 001, 002 sowie einer Verleibsübersicht freuen. Recht erfreulich ist das am Schluss zu findende Verzeichnis der abgebildeten Lokomotiven, das das Auffinden eines Bildes einer bestimmten Lokomotive deutlich erleichtert.
Fazit:
Die Neuauflage des Baureihenbuchs über die E 44 ist durchaus gelungen. Wo Statistiken und Texte des ersten Buchs aus dem Jahr 1985 noch "weiße Flecken" aufwiesen, konnte nun vielfach die Lücken gefüllt werden. Insbesondere die Betrachtung der ostdeutschen Betriebswerke ist deutlich aufgewertet worden. Der Schwerpunkt des Buchs liegt eindeutig auf Inbetriebsetzung, Einsatz und Verbleib der Lokomotiven. Der Technikteil ist wohl für die überwiegende Mehrheit der Leserschaft durchaus ausreichend dargestellt, spezielle Detailfragen zu den einzelnen Bauteilen wird man aber nicht lösen können. Eine Schnittzeichnung sucht man zunächst vergeblich, findet sie dann aber doch noch im Nachsatz. Etwas kurz werden die wichtigen Erprobungsträger E 44 001, 101 und 201 abgehandelt. Die Baureihe E 44.1 (spätere E 44.5) wird ebenfalls nur am Rande erwähnt, obwohl sie weitgefasst ja auch eine E 44 war. Dennoch soll das den Wert dieses Buchs nicht schmälern. Trotz der großen Stückzahl der gebauten Loks ist das Buch sehr detailreich und fasst die Einsatzgeschichte der E 44 gut zusammen. Freunde der E 44 sollten sich diesen Leckerbissen deshalb nicht entgehen lassen.
Bewertung: Die maximale bzw. beste Bewertung sind fünf 103er - die schlechteste ist nur eine 103
In dieser Rubrik werden in unregelmäßiger Reihenfolge Rezensionen zu aktuellen Neuerscheinungen sowie Büchern oder andere Medien mit dem Thema E-Loks/Baureihen veröffentlicht. Interessierte Verlage oder Vereine, die ihre Erscheinungen ebenfalls als Rezension veröffentlichen wollen, können sich unter der Mail info@elektrolok.de an mich wenden.