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E-Lok-Beheimatung beim Bw Augsburg
(von Hans Sölch)

140 588 ruht sich am 06. Oktober 1990 vor dem Augsburger Ringlokschuppen aus. (HS)


Anfänge

Nur knapp fünf Jahre nach der Eröffnung der ersten Deutschen Eisenbahn nahm am 04. Oktober 1840 die Eisenbahn von München nach Augsburg den Betrieb auf. Damit war Augsburg eine der ersten bayerischen Städte, die über eine Eisenbahnverbindung verfügte. Vier Jahre später verkaufte der bisherige Eigentümer, die München-Augsburger Eisenbahn-Gesellschaft, die Strecke an die königlich bayerische Staatseisenbahn. Im gleichen Jahr, am 20. November 1844, wurde das erste Teilstück der Strecke Augsburg - Nürnberg bis Donauwörth eröffnet. Am 25. August 1847 ging es dann erstmals offiziell per Bahn von Augsburg Richtung Süden nach Kaufbeuren, und am 26. September 1853 folgte das erstes Teilstück der Westerweiterung nach Ulm bis Dinkelscherben. Die starke Zunahme des Zugverkehres und die unaufhaltsame Erweiterung des Streckennetzes deckte schon bald den Bedarf einer eigenen Hauptwerkstätte in Augsburg auf. Noch vor der Eröffnung des ersten Abschnitts der Linie nach Ulm konnte die neue Hauptwerkstätte im Frühjahr 1850 seiner Bestimmung übergeben werden. Damals waren sieben Lokomotiven in Augsburg beheimatet. Als letzte bedeutende Strecke wurde am 15.5.1875 schließlich auf der Paartalbahn Augsburg - Ingolstadt offiziell der Betrieb aufgenommen.

Im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts vollzogen sich umfangreiche Änderungen im Eisenbahnwesen. So wurde damals bereits zwischen Wartung (in den Betriebswerken) und umfangreichen Ausbesserungsarbeiten (in den Centralwerkstätten) unterschieden. In Bayern gab es damals vier Centralwerkstätten in Augsburg, Regensburg, Nürnberg und München. Während aber der Augsburger Centralwerkstätte kein langes Leben bevorstand, gehörte die Betriebswerkstätte Augsburg noch über 100 Jahre zu den bedeutenden Dienststellen in Bayern. Viele bekannte Dampfloks wie z.B. die Schnellzugloks der Baureihen BR 17 und BR 18 (ex. S3/6), die Güterzugloks der BR 54, die Einheitsloks der Baureihen 64 und 80 sowie viele andere Länderbahn-Tenderloks bestimmten über Jahrzehnte das Bild dieses Betriebswerks.

Elektrifizierung

Nachdem die Elektrifizierung der Strecken von München nach Salzburg, Kufstein und Garmisch ab 1925 gute Ergebnisse gezeigt hatte, beschloss die Reichsbahn weitere Strecken auf elektrischen Zugbetrieb umzustellen. Zunächst sollte die wichtige Fernbahn von München nach Stuttgart elektrifiziert werden und so erreichte der Fahrdraht ausgehend von München im Jahr 1931 den Augsburger Hauptbahnhof. Am 15. Mai 1931 wurde der elektrische Betrieb mit Eröffnung des Teilstücks von Nannhofen nach München offiziell aufgenommen. Gut zwei Jahre, am 1. Juni 1933, konnten die Züge dann bis Stuttgart von E-Loks gezogen werden. Nur ein gutes Jahr später, eröffnete die Reichsbahn den elektrischen Betrieb auf dem ersten Teilstück der Strecke Augsburg - Nürnberg bis Donauwörth. Weitere sieben Monate später, am 10. Mai 1935, brachte die E 04 21 dann den offiziellen Eröffnungszug von Augsburg nach Nürnberg.

Die Strecke von München nach Augsburg war schon immer durch die gerade Streckenführung für Schnellfahrten prädestiniert. Bereits im Juli 1907 erreichte die bayerische S 2/6 hier eine Rekordgeschwindigkeit von 154,5 km/h. Durch die Elektrifizierung konnten nun auch E-Loks getestet werden. Im Juni 1933 erreichte die E 04 09 mit einem Versuchszug zwischen München und Augsburg die Rekordgeschwindigkeit von 151,1 km/h. Mitte der dreißiger Jahre folgten dann Leistungsmessfahrten mit der E 18 01 und E 18 07. Viel später wurde die Strecke u.a. durch die Schnellfahrten zur IVA 1965 berühmt.

Mit der Elektrifizierung der Strecken um Augsburg verlor das Betriebswerk etwas an Bedeutung. Der Grund lag in der Wirtschaftlichkeit der E-Loks, die einen langen Umlauf von München nach Stuttgart oder Nürnberg ohne Lokwechsel möglich machten. Die meisten Schellzugloks stationierte die Reichsbahn deswegen sinnvollerweise in den großen Endbahnhöfen Stuttgart, Nürnberg und München. Lediglich im Regionalpersonenverkehr und im Güterverkehr, war das Bw weiterhin ein wichtiger Umspann- und Endbahnhof. Aus diesem Grund ist es nicht erstaunlich, wenn die ersten E-Loks des Bw Augsburg Personenzugloks waren.

Die ersten E-Loks

Welche Lok nun wirklich die erste E-Lok des Bw Augsburg war, lässt sich aufgrund fehlender fundierter Daten und vieler verschiedenlautenden Quellen nicht mehr genau nachvollziehen (Wie übrigens viele Beheimatungen vor dem Krieg). Dennoch ist es wahrscheinlich, dass die ersten Loks bereits mit Eröffnung des elektrischen Betriebes am 15. Mai 1931 dem Bw Augsburg übergeben wurden. So sollen die Münchner E 52 24 und 26 im Mai 1931 in die Fuggerstadt umbeheimatet worden sein. Andere Quellen sehen in der E 32 27 die erste Augsburg E-Lok. Die E 32 27 taucht am 30. September 1932 erstmals in den Beheimatungslisten des Bw Augsburg auf - wann die Lok aber genau zum Bw Augsburg kam ist ungewiss.

Mit der zunehmenden Elektrifizierung kamen im April und Mai 1933 weitere E-Loks nach Augsburg. Aus Rosenheim wurde am 24. April 1933 die E 32 25 umstationiert, aus München die E 32 28 bis E 32 34 (April 1933) sowie die E 52 27 (03.05.33). Eine kurzzeitige leihweise Beheimatung der E 52 28, wohl zu Lokführerschulungen, im Frühjahr 1933 sowie der E 52 20 im Spätsommmer 1934 lässt sich nicht zweifelsfrei klären. Ebenfalls ab Mai 1933 kamen mit den Stangenloks der Baureihe E 77 erstmals Güterzugloks ins Bw Augsburg. Die E 77er stammten überwiegend aus den Betriebswerken München Hbf und München Ost. (Eine genaue Beheimatungsübersicht der BR E 77 liegt mir bisher leider nicht vor, weshalb keine genaueren Angaben zu dieser Baureihe gemacht werden können). Ende 1934 kamen mit der E 52 15 und 25 zwei weitere E 52 aus München, wobei die E 52 15 bereits im Februar 1935 wieder nach München zurückgeschickt wurde. Zusammen mit den E 32 des Bws wurden die E 52er vor allem im Personen- und leichten Güterzugdienst auf den Strecken nach Ulm und Donauwörth eingesetzt, während die E 77 Güterzüge zwischen München und Ulm beförderte. Im Dezember 1934 bekam das Bw Augsburg mit E 44 030 und 031 seine ersten Allzweckloks der Baureihe E 44, die nun 45 Jahre das Bild des Bw prägen sollten. Somit befanden sich zum Jahreswechsel 1935 vier verschiedene Baureihen im Bestand des Bw Augsburg:
E 32 9 25, 27-34
E 44 2 030, 031
E 52 5 15, 24-27
E 77 11 11 - 21 (?)

Die ersten Schnellzugloks

Im Jubiläumsjahr 1935 bekam Augsburg weitere Loks der Baureihe E 44 zugeteilt. Während E 44 032 und 033 am 26. April fabrikneu ihren Dienst aufnahmen, kam die E 44 034 am 14. Juni 1935 aus der Landeshauptstadt nach Augsburg. Die E 44 wurden zunächst vor Eil- und Personenzügen sowie leichten Güterzügen bis nach Donauwörth oder Ulm eingesetzt. Mit zunehmender Elektrifizierung erweiterte sich das Einsatzgebiet dann bis nach Stuttgart und Nürnberg. Mit den Münchner E 04 14-16 konnte Augsburg im Mai 1935 auch seine ersten Schnellzugloks in den Bestand aufnehmen. Die E 04 ersetzten die S 3/6 des Bw Augsburg im Schnellzugdienst nach Nürnberg. In den letzten drei Monaten des Jahres 1935 verzeichnete Augsburg zwei weitere E-Lok-Zugänge mit der E 52 22 aus Rosenheim (Oktober) sowie der E 32 26 aus München (Dezember). Die E 32 wurde zusammen mit ihren Schwesterloks weiterhin vor leichten Personen- und Güterzügen auf den Strecken nach Ulm, München und Donauwörth eingesetzt. Im Lauf des Jahres 1936 wurden vier E 32 des Bw Augsburg im RAW München Freimann mit einer anderen Getriebeübersetzung versehen und in die Unterbaureihe E 32.1 umbenannt. Im einzelnen waren dies:
E 32 29 in E 32 102 (März 1936)
E 32 30 in E 32 104 (Mai 1936)
E 32 32 in E 32 105 (Juni 1936) und
E 32 26 in E 32 101 ( Dezember 1936)

Das Jahr 1937 brachte dem Bw Augsburg vier fabrikneue E 44 (057 und 058 im März, 063 im Juli sowie 066 im Oktober) sowie die E 52 23 aus München (März). Auch im Bestand der E 32 gab es in diesem Jahr einige Veränderungen. So wurden die E 32 28, 31, 33 und 34 im April nach München abgegeben. Im Gegenzug bekam Augsburg die E 32 107 vom Bw München Hbf und die E 32 108 vom Bw München Ost. Im Dezember 1937 folgte dann noch die E 32 103 aus der Landeshauptstadt. Für den Einsatz hochwertiger Schnellzüge wurde im Dezember 1937 mit den fabrikneuen E 18 30 und 33 auch die damaligen Stars der Schiene, die Loks der Baureihe E 18, der Augsburger Dienststelle zugeteilt. 1938 änderte sich nicht viel im Bestand. Im Frühjahr 1938 kam mit E 44 074 eine weitere fabrikneue E 44 ins Bw, mit E 32 106 traf im April die letzte Umbau-E 32 in der Fuggerstadt ein. Im Juli 1938 wurde die E 04 16 gegen die Nürnberger E 04 13 getauscht.

Durch die Annexion Österreichs im Jahr 1938 vergrößerte sich das Gebiet der BD Augsburg um die Arlbergstrecke und alle Strecken Vorarlbergs. Im Frühjahr 1939 gaben E 18 02 (Jan-Feb) und die neugelieferte E 44 094 (März-Mai) ein kurzes Gastspiel beim Bw Augsburg. Im November 1939 erhöhte sich der E 18er-Bestand mit Zuteilung der fabrikneuen E 18 051 und 052 auf vier Loks. Die vier E 18er wurden auch planmäßig benötigt. Haupteinsatzgebiet waren damals Personenzüge und Schnellzüge zwischen München und Stuttgart sowie nach Nürnberg.

Die Jahre zwischen 1940 und Ende 1942 brachten keine großen Bestandsveränderungen, sieht man von den stetigen Neuanlieferungen der Baureihe E 44 und der Umbeheimatung der E 32 25 (März 1941) und 27 (Juli 1942) nach München ab. Interessant ist die Tatsache, dass die E 32 27 zwischen dem 05. März 1941 und dem 03. Juli 1942 in Norwegen im Einsatz war. Somit gab es eigentlich seit März 1941 keine E 32.0 mehr in Augsburg. Langsam aber stetig wuchs dagegen der Bestand an E 44er in dieser Zeit durch Neuzugänge der E 44 110 (April 40), 111 (April 40), 115 (August 41), 088 (März 42), 138 (April 42), 139 (1942), 140 (Mai 42) und 150 (Oktober 42). Bis auf die E 44 088, die aus Bamberg dem Augsburger Bestand zugeführt wurde, stammen alle diese Loks direkt vom Hersteller.

Am 01. November 1942 wurden alle vorhandenen Loks der Baureihe E 18 (30, 33, 051 und 052) zum Bw München Hbf umstationiert. Von dort war ein Einsatz der formschönen Lokomotiven viel besser zu koordinieren als von einem Durchgangsbahnhof wie Augsburg. Mit der fabrikneuen E 94 043 wurde im Dezember 1942 dafür das erste Krokodil in den Augsburger E-Lok Bestand aufgenommen. Damit begann die 44-jährige Geschichte des Krokodils beim Bw Augsburg. Ursprünglich sollte die E 94 043 nach Leipzig Wahren beheimatet werden, gelangte aber dann kurzfristig nach Augsburg. Dort wurde sie zunächst zur Personalschulung verwendet. Ab 1943 kamen dann weitere Krokodile nach Augsburg (siehe Tabelle), mit denen schwere Güterzüge nach München, Nürnberg und Ulm bespannt wurden.

Das Jahr 1943 brachte tiefgreifende Änderungen in der E-Lok-Beheimatung mit sich, da sich im Betriebseinsatz zeigte, dass einzelne E-Lok-Baureihen mit dem steigungsreichen süddeutschen Eisenbahnnetz nicht zu Recht kamen. Während sich die leichten E 04er täglich mit langen Zügen über die Geislinger Steige quälen mussten, hatten die schwereren E 17er auf den flachen Strecken in Mitteldeutschland leichtes Spiel. Auch die E 77 zeigte im Vergleich zu den Baureihen E 75, E 91, E 93 und E 94 deutliche Probleme auf dem bayerischen Netz. Aus diesem Grund wurde von der Reichsbahn ein umfangreicher Lokaustausch zwischen süddeutschen und mitteldeutschen Betriebswerken beschlossen. Dieser Loktausch war außerdem Anlass für umfangreiche Umbeheimatungen innerhalb der süddeutschen Betriebswerke. Das Bw Augsburg verlor im Rahmen dieses Prozesses sämtliche Loks der Baureihen E 04 und E 77 sowie einen Großteil der E 44er. Die dadurch entstehenden Lücken wurden durch Loks der Baureihen E 17, E 45.2 und E 94 aufgefüllt. Die einzelnen Vorgänge beschreibt die folgende Tabelle:

LokZugangaus BwLokAbgangnach Bw
E 17 03 24.04.43RegensburgE 04 1313.03.43Leipzig West
E 17 0404.04.43RegensburgE 04 1405.03.43Leipzig West
E 17 0506.03.43RegensburgE 04 1508.04.43Leipzig West
E 17 08 04.09.43 München Hbf
E 32 106 29.07.43 Neu Ulm
E 44 035 08.11.43 Nürnberg
E 44 064 20.10.43 Treuchtlingen E 44 030 02.07.43 Saalfeld
E 44 111 22.10.43 Treuchtlingen E 44 031 1943 RBD Halle
E 44 157 01.07.43 Neulieferung E 44 033 25.06.43 Saalfeld
E 44 158 21.07.43 Neulieferung E 44 063 08.08.43 Weißenfels
E 44 159 03.08.43 Neulieferung E 44 064 31.10.43 Treuchtlingen
E 44 066 07.08.43 Bamberg
E 45 204 29.07.43 Freilassing E 44 074 Mai 43 Saalfeld
E 45 205 Mai 43 Freilassing E 44 088 05.08.43 Bamberg
E 45 206 28.06.43 Freilassing E 44 110 17.03.43 Neu Ulm
E 45 207 02.07.43 Freilassing E 44 111 03.03.43 Treuchtlingen
E 45 208 22.06.43 Freilassing E 44 111 02.11.43 Treuchtlingen
E 44 138 16.02.43 Nürnberg
E 91 15 27.05.43 Rosenheim E 44 139 31.01.43 Weißenfels
E 91 19 27.05.43 Freilassing E 44 140 Jun 43 München Hbf
E 44 150 03.03.43 Treuchtlingen
E 94 012 16.02.43 Rosenheim
E 94 042 März 43 Leipzig West E 77 1943 Mitteldeutschland
E 94 044 15.04.43 Neulieferung
E 94 073 06.03.45 Salzburg E 91 15 1943 Regensburg
E 94 080 19.02.43 Neulieferung E 91 19 1943 Regensburg
E 94 081 22.02.43 Neulieferung
E 94 096 22.02.43 Neulieferung
E 94 111 Dez 43 Neulieferung
E 94 112 18.11.43 Neulieferung

Die E 45 206 wurde Mitte Dezember 1943 in Innsbruck durch einen Bombenangriff schwer beschädigt und nicht betriebsfähig abgestellt. Aufgrund der schweren Schäden entschloss sich die Reichsbahn, die Lok am 15. Januar 1945 auszumustern. Das Bw Augsburg bekam dafür im Februar 1944 die gerade im RAW Innsbruck untersuchte E 45 202 als Ersatz zugeteilt. Über den Einsatz der E 45.2 beim Bw Augsburg kann man heute nur noch spekulieren. Vor der Umbeheimatung in deutsche Betriebswerke waren die E 45.2 vor allem an den Arlbergrampen im Schiebe- und Zugdienst eingesetzt worden. Da die Augsburger E 45 206 in Innsbruck beschädigt worden war, ist es wahrscheinlich, dass die Loks weiter am Arlberg im Einsatz waren. Um die Zuführung von Augsburg nach Innsbruck zu ermöglichen, ließe dies auch auf Einsätze zwischen Augsburg, München und Garmisch bzw. Rosenheim nach Innsbruck schließen. Anderseits ist der gleichzeitige Abgang von zahlreichen Loks der Baureihe E 44 im Jahr 1943 ein Zeichen dafür, dass die E 45.2 zumindest auch einen Teil dieser Leistungen übernahmen.

Trotz des Krieges ging die Auslieferung der Kriegsbaureihen E 44 und E 94 weiter. Im Januar 1944 wurde die E 94 117, im März 1944 die E 94 118 dem Bw Augsburg erstzugeteilt. Zwischen Februar und März 1944 waren außerdem vier weitere E 94 aus dem Schlesischen Netz (E 94 021, 074, 078 und 110) für kurze Zeit buchmäßig im Bw Augsburg stationiert. Grund für diese Maßnahme war der Zusammenbruch des schlesischen Elektrobetriebs wegen eines Turbinenschadens des versorgenden Kraftwerks. Ob die Loks nun wirklich nach Augsburg kamen oder in Schlesien abgestellt wurden und nur buchmäßig nach Augsburg umbeheimatet wurden, lässt sich heute nicht mehr nachvollziehen.

Im Juli 1944 kam die E 44 171 und im August 1944 die E 44 170 direkt vom Hersteller sowie die E 94 018 (Juli 1944) vom Bw Leipzig West in die Stadt am Lech. Im August zog die Salzburger E 94 108 in ihrer neue Heimatdienstelle ein.

Im Oktober 1944 schied die E 17 08 in Folge eines Totalschadens (wahrscheinlich Bombentreffer) aus dem Bestand aus. Auch andere Lokomotiven des Bw Augsburg mussten durch Kriegseinwirkung abgestellt werden. So wurde z.B. die E 94 096 bei einem Luftangriff auf das Bw München Ost in der Nacht vom 2. auf den 3. Oktober 1943 schwer beschädigt. Die gleiche Lok befand sich im Frühjahr 1945 im RAW Dessau zur Reparatur. Im Oktober 1944 wurde E 94 043 bei einem Bombenangriff schwer beschädigt.

Ende 1944 wurde die Rückführung von Schlesischen E-Loks nach Süddeutschland beschlossen, um die Loks vor dem näherrückenden Feind in Sicherheit zu bringen. Das Bw Augsburg wurde zum Sammelpunkt für die meisten Loks der Baureihe E 17. Als erstes traf Ende Oktober 1944 die E 17 120 ein. Ihr folgten im Ferbruar 1945 die E 17 115, 116 und 118 sowie im März die E 17 113 und 114. Lediglich die E 17 121 und 122 kamen nach München. Ebenfalls aus Schlesien stammte die E 91 94, die am 07. März 1945 in den Augsburger Bestand aufgenommen wurde. Ihr Brot verdiente sie die nächsten Jahre vor allem als Verschublok im Augsburger Rangierbahnhof. Ende Januar 1945 traf noch die E 44 145 aus Saalfeld, im Februar die Bludenzer E 94 107 in Augsburg ein. Im Gegenzug gab das Bw im Februar 1945 die E 44 032 nach Landshut ab. Im Frühjahr 1945 wurde außerdem die E 94 082 aus Schwarzach St.Veit nach Augsburg beheimatet. Bereits kurz darauf musste die E 94 082 zusammen mit ihren Schwesterloks E 94 073 und 108 mit schweren Kriegsschäden abgestellt werden. Während die E 94 082 zur Reparatur zur AEG nach Henningsdorf geschickt wurde, kamen E 94 073 und 108 zur Wiederherstellung in Betriebsabteilung Bludenz, die damals - wie schon erwähnt - zur BD Augsburg gehörte. Im April 1945 gingen beide in den Bludenzer Bestand über. E 94 073 war dort nach der Reparatur ab Juli 1945 wieder im Einsatz, E 94 108 blieb weiter beschädigt abgestellt. Kurz vor Kriegsende kam noch die E 44 147 im April vom Bw Neu Ulm nach Augsburg. Außerdem befand sich die österreichische E 88 015 zum Zeitpunkt der Kapitulation Deutschlands im Bw Augsburg und wurde so dem Bw zugeteilt.

Bei Kriegsende ergab sich somit folgender (buchmäßiger) Bestand:
E 17903-05, 113-116, 118, 120
E 327101-105, 107, 108
E 4412034, 035, 057, 058, 115, 145, 147, 157-159, 170, 171
E 45.25202, 204, 205, 207, 208
E 52622-27
E 881015
E 91194
E 9414012, 018, 042-044, 080-082, 096, 107, 111, 112, 117, 118


Neuanfang

Von den Augsburger E-Loks hatten E 52 22 und 23 sowie die E 94 043, 112, 117 und 118 schwere Kriegsschäden und standen dem Betrieb nicht zur Verfügung. Auch andere Augsburger Loks dürften nicht oder nur beschränkt einsatzfähig gewesen sein. Durch die Teilung Deutschlands in vier Besatzungszonen sowie die Abspaltung Österreichs wurde der Bestand weiter durcheinandergeschüttelt. Drei Augsburger E 94 befanden sich nach Kriegsende in der sowjetischen Besatzungszone. Die reparierte E 94 042 war auf dem Rückweg aus Dessau im April 1945 im Bereich der RBD Erfurt liegengeblieben, die E 94 096 befand sich zur Reparatur im RAW Dessau und die E 94 082 war bei der AEG in Henningsdorf abgestellt. Alle drei Loks verblieben in der SBZ und wurden am 21. Mai 1946 endgültig aus dem Bestand gestrichen. Auch im ehemaligen österreichischen Teil der BD Augsburg waren einige Augsburger Lokomotiven verblieben. Um diese zurückzubekommen, erfolgte im September/Oktober 1945 ein Loktausch zwischen der RBD Augsburg und der ehemaligen RBD Innsbruck. So kamen am 20. September 1945 die E 44 110, 120 und 141 im Tausch gegen die E 45 202, 204 und 207 nach Augsburg. Eine Woche später folgten die E 94 073 und E 04 19 im Austausch gegen die E 45 205 und 208. Am 23. Oktober 1945 wurde dann noch die nach dem Krieg in Augsburg vorhandene E 88 015 gegen die Bludenzer E 94 108 ausgetauscht.

Der elektrische Schienenverkehr war kurz vor Kriegsende gänzlich zum Erliegen gekommen. Erst am 22. Mai 1945 konnten wieder E-Loks zwischen München und Augsburg verkehren. Ab 15. Juni war Kornwestheim wieder von Augsburg elektrisch zu erreichen und ab 20. September schließlich auch wieder Nürnberg. Viele Loks zeigten sich nach dem Krieg in einem erbärmlichen Zustand und fuhren, wenn überhaupt, nur behelfsmäßig repariert durch die Gegend. In der Nachkriegszeit standen somit unzählige Lokomotiven zur Reparatur an. Neben dem AW München Freimann beteiligten sich daher auch andere Werke wie z.B. das PAW Krauss Maffei oder das PAW MAN in Augsburg an der Wiederherstellung der beschädigten Lokomotiven. Um den Zugbetrieb aufrecht erhalten zu können, fand außerdem in der Nachkriegszeit ein reger Austausch an Lokomotiven zwischen den bayerischen Betriebwerken statt. Auch viele Augsburger Lokomotiven wurden für kurze Zeit an andere Bws verliehen, wenn dort akuter Lokmangel herrschte. Ebenso bekam das Bw Augsburg kurzfristig Lokomotiven von anderen Dienststellen zugeteilt. Zusätzlich ersetzten reparierte Lokomotiven andere, denen eine Reparatur noch bevorstand.

Nur kurze Zeit blieb die aus Österreich übernommene E 04 19 in Augsburg. Bereits im Januar 1946 wurde sie nach Nürnberg abgegeben. Der Bestand der Baureihe E 17 erhöhte sich bis 1950 um fünf weitere Lokomotiven (E 17 14 im Dez 1945, E 17 12 im März 1947, E 17 121 im Mai 1947, E 17 07 im Juli 1947 und E 17 122 im Oktober 1948). Hintergrund war die Zusammenfassung der Baureihe E 17 in Augsburg und Stuttgart. Das Einsatzgebiet änderte sich aber nicht. Weiterhin wurden die Loks hauptsächlich auf den Strecken München - Stuttgart und Augsburg - Nürnberg eingesetzt. Im Jahr 1947 beherbergte das Bw auch wieder Loks der Baureihe E 18 (E 18 37 ab April 1947, E 18 05 und 051 im November 1947), die allerdings alle im Sommer 1950 wieder abgezogen wurden, da ein wirtschaftlicher Einsatz der Loks in Augsburg nicht möglich war. Über den Einsatz der Augsburger E 18er nach dem Krieg ist nur wenig bekannt. Angeblich wurde Personenzüge nach Dinkelscherben und Ulm, sowie ein Rundkurs mit E-Zug, D-Zug und Personenzug von Augsburg über Nürnberg und München zurück nach Augsburg bespannt. Im letzten Augsburger Einsatzjahr sollen die Maschinen dann insbesondere zwischen Augsburg und Stuttgart/Nürnberg zum Einsatz gekommen sein. Sowohl die E 18 als auch die E 04 verabschiedeten sich entgültig aus Augsburg. Anders die Loks der E 32. Zwar wurden E 32 105 und 108 1945 für kurze Zeit nach Neu Ulm verliehen, kehrten aber ebenso wie die länger abwesende E 32 106 bis Ende 1949 nach Augsburg zurück.

Vor allem bei der Baureihe E 44 gab es umfangreiche Veränderungen im Bestand. Zwischen 1945 und 1949 kamen die Loks E 44 036 (Dez 1945), E 44 141 (Nov 1948), E 44 142 (Dez 1945), E 44 149 (Nov 1945) nach Augsburg, dafür verließen die E 44 034 (Jan. 1948) und 170 (Juni 1946) das ehemalige Heimat-Bw. Kurzzeitig verliehen wurden die E 44 035, 058, 141 (2x), 142, 145, und 149, während E 44 077, 117, 120, 121 und 168 ein kurzes Gastspiel in den Augsburger Hallen gaben.

Auch die Baureihe E 52 zog sich nach dem Krieg aus Augsburg zurück. Zwischen August 1946 und Januar 1947 wurden alle vorhandenen Loks nach Neu-Ulm abgegeben. Am Einsatzschwerpunkt auf der Strecke Augsburg - Ulm änderte diese Maßnahme allerdings nichts. Dagegen wurde mit Zugängen der E 91 98, 100 (beide 1947), 101 (1948) und 102 (1949) der Bestand dieser Baureihe auf fünf Lokomotiven erhöht. Weiterhin versah eine Lok - meistens E 91 94 - Verschubdienste im Augsburger Rangierbahnhof, insbesondere am Ablaufberg. Eine zweite Lok wurde ebenfalls im Rangierdienst um Augsburg eingesetzt. Daneben wurden nun noch zwei Lokomotiven vor Nahgüterzugen nach Neu-Ulm und Donauwörth eingesetzt

Im Jahr 1946 wurde im Bw Neu-Ulm eine E94-Gruppe eingerichtet. Aus diesem Grund gab Augsburg die E 94 041 im November und die E 94 081 im Dezember 1945 dorthin ab. Während die Neu-Ulmer Loks vor allem Güterzüge auf der Relation München - Kornwestheim bespannten, lag das Haupt-Einsatzgebiet der Augsburger E 94er auf der Strecke nach Nürnberg. Bis 1948 wurden noch die E 94 051 (Dez 46) und 091 (Juli 1948) dem Bw Augsburg neu zugeteilt. Ab Dezember 1946 stand zusätzlich die reparierte ehemalige Bludenzer E 94 108 dem Betrieb wieder zur Verfügung. Daneben gaben die E 94 081 und die E 94 041 (2x) ein kurzes Gastspiel, während die E 94 117 für kurze Zeit nach Neu-Ulm beheimatet wurde.

E 52 22, 23, 26 und 27 kehrten zwischen Januar und April 1950 noch mal für wenige Monate zurück, ehe auch sie endgültig anderen Dienststellen zugeteilt wurden. Im März 1950 wurden dann die E 94 012, 018, 051, 073 und 080 nach Neu Ulm abgegeben. Dafür kehrte E 44 120 aus Neu Ulm zurück. Außerdem stand ab Juli 1950 die bei Krauss-Maffei reparierte E 94 043 wieder dem Bw zur Verfügung. Im Oktober 1950 verabschiedete sich die E 94 091, die in den nächsten zwei Jahren allerdings noch zweimal für kurze Zeit an den Lech zurückkehren sollte, ehe sie im November 1951 endgültig das Bw Augsburg verließ. In den fünfziger Jahren weitete sich das elektrisch befahrbare Netz durch die zunehmende Elektrifizierungen weiter aus. Damit erweiterte sich auch das Einsatzgebiet der Augsburger E-Loks. Mit der Elektrifizierung der Strecke Stuttgart - Mannheim (1950 - 1955) bespannten Augsburger E 94 Leistungen nach Mannheim, Nürnberg, Salzburg und Kufstein gehörten zum täglichen Brot der Augsburger E 94. Auch die Loks der Baureihe E 17 kamen Mitte der Fünfziger planmäßig bis nach Kehl oder Heidelberg. Das Haupteinsatzgebiete waren allerdings weiterhin die Relationen München - Stuttgart und Augsburg - Nürnberg/Würzburg.

Seit Oktober 1951 beheimatete Augsburg Loks der Baureihe E 63, die in den kommenden Jahrzehnten neben der E 17 und E 44 zum Symbol des Bw Augsburg werden sollten. Zunächst kamen E 63 04 (Oktober 1951) und 08 (November 1951) in die Fuggerstadt. Seit dieser Zeit konnte man die kleiner Rangierloks in Augsburg bei der Arbeit antreffen. Im Juni 1956 wurde dann der bestehende Augsburger E 91-Umlauf eingestellt und vier Loks der Baureihe E 91 an das Bw Neu Ulm abgegeben. Dort wurden sie allerdings ebenfalls vor Nahgüterzügen zwischen Augsburg, Donauwörth und Ulm eingesetzt. Die verbleibende E 91 94 versah zunächst weiter ihren angestammten Dienst am Ablaufberg. Erst im November 1951 verließ sie Augsburg als letzte Lok ihrer Baureihe mit dem Ziel Haltingen. Den Dienst am Ablaufberg wurde nun von der E 63 übernommen.

Bis 1958 wurden E 44 147 (März 1951), E 44 058 (Feb 1952), E 44 057 (Mai 1955), E 32 108 (März 1957), E 32 107 (Sept 1957), E 32 105 und 106 sowie E 44 158 (alle Mai 1958) an andere Dienststellen versetzt. Gleichzeitig waren E 94 145 (Nov 1950), E 94 139 (Sept 1951), E 94 159 (Jan 1956), E 94 124 und 125 (beide Mai 1956), E 44 166 (Juni 1957), E 44 079 (Nov 1956), E 17 102 (Juni 1957), E 94 138 (Mai 1958) sowie E 17 13 (Juni 1958) als Zugang zu verbuchen.

Obwohl mittlerweile eine steigende Anzahl an Neubaulokomotiven der Baureihen E 10, E 40, E 41 und E 50 vorhanden waren, beherbergte das Bw Augsburg nie lange diese modernen Maschinen. Lediglich bei starkem Verkehrsaufkommen oder bei Lokmangel lieh man sich von anderen Dienststellen kurzfristig Neubauloks aus. So kam im Juni 1957 mit der farbrikneuen E 41 036 erstmals eine Neubaulok für wenige Tage nach Augsburg.

Im Jahr 1959 wurde der Bestand an Lokomotiven der Baureihen E 44 und E 94 weiter aufgestockt. Im Zuge der Auflösung der E-Lok-Beheimatung beim Bw Neu-Ulm wurde der gesamte Bestand zum Bw Augsburg umbeheimatet, obwohl sich am Einsatz zunächst nichts änderte. So kamen E 44 111 im Februar und E 44 150, 153 sowie E 94 012, 018, 022, 041, 044, 051, 070, 073, 080, 081 und 091 im März an den Lech. E 44 156 folgte als letzte im Mai. Danach verfügte das Bw Augsburg für mehrere Jahre über den zweitgrößten E 94er-Bestand der deutschen Bundesbahn. Auch bei der Baureihe E 63 gab es Veränderungen: Die nach Stuttgart abgegebenen E 63 04 (August) und 08 (November) wurden durch die E 63 05 und 07 (Oktober) sowie 06 (Dezember) ersetzt. Damit waren alle BBC-E 63 in Augsburg beheimatet.

Die Sechziger Jahre brachten zunächst keine großartigen Veränderungen für das Bw Augsburg. Der Bestand der Baureihe E 17 wurde weiter aufgestockt. So kamen E 17 112 (1961), 110 (1962) und 111 (1963) nach Augsburg. In den weiteren Jahren fand ein reges 117er-Wechseln mit dem Bw Stuttgart statt, ehe am 08. Dezember 1967 die E 17-Beheimatung in Stuttgart aufgegeben wurde. Alle noch vorhandenen 26 Loks wurden im Bw Augsburg zusammengefasst, das damit zum Auslauf-Bw dieser Baureihe wurde. Trotzdem bestand noch bis zum Sommerfahrplan 1975 ein eigenen Stuttgarter E17 Umlauf. 1966 endete mit der Umbeheimatung der drei noch vorhandenen E 32 (101-103) die Beheimatung der E 32 in Augsburg. Bereits im Mai 1965 waren die E 32 104 und 107 (seit 1962 wieder in Augsburg) nach München abgegeben worden. Dafür blieb der Bestand der Baureihen E 44 und E 63 bis 1968 nahezu konstant - lediglich E 44 149 wurde im Mai 1967 nach Aschaffenburg abgezogen. In dieser Zeit wurden bis zu dreizehn E 44 des Bw Augsburg planmäßig eingesetzt. Insbesondere Personen- und Eilzüge sowie leichte Güterzüge auf den von Augsburg ausgehenden Strecken waren damals das Haupteinsatzgebiet dieser Baureihe.

Im April 1961 kam mit der E 94 186 die erste Neubau-E 94 an den Lech, wurde aber bereits im Mai durch E 94 183 ersetzt. Im Januar 1962 erhöhte dann noch E 94 182 den Augsburger Bestand. Bereits im Dezember 1963 verabscheideten sich die beiden Neubau-E 94er wieder und wurden mit den Kornwestheimer E 94 086 und 087 getauscht. Bis 1968 blieb der E 94-Bestand dann unverändert.

Auch in den Sechzigern wurden Neubaulokomotiven der Baureihen E 10 und E 40 ausgeliehen, wenn Not am Mann bestand. Teilweise frisch ab Werk kamen in die Loks oft nur für wenige Tage an den Lech. So waren bis Mitte der Sechziger die Schnellzugloks E 10 199 (1962), 324 (1964), 132 (1966), die Güterzuglok E 50 054 (1962) sowie die Allzweckloks E 40 488, 489 (beide 1964), E 40 073, 255, 266, 271, 274, 411, 416, 420, 432 (1965/1966) kurzzeitig in Augsburg stationiert. Die E 50 054 war wie die im Jahr 1957 stationierte E 41 036 übrigens die einzige Lok Ihrer Baureihe in Augsburg. Am 1.Januar 1968 führte die Deutsche Bundesbahn Computernummern ein. Die Augsburger Loks der Baureihen E 17, E 44, E 63 und E 94 hießen seitdem 117, 144, 163 und 194.

Im Jahr der Mondlandung kam der Einzelgänger E 44 189 (Mai 1969) nach Augsburg. Gleichzeitig kam es im E94-Bestand zu umfangreichen Änderungen. Nur für wenige Wochen waren E 94 160 und 181 Gast im Bw. In der zweiten Jahreshälfte erfolgte dann ein Loktausch zwischen Augsburg, Kornwestheim und Aschaffenburg, in Rahmen dessen die E 94 137, 139, 145 und 159 nach Aschaffenburg abgegeben wurden und durch die E 94 038, 039, 042 sowie 085 aus Kornwestheim, das seine E-94-Gruppe zu diesem Zeitpunkt auflöste, ersetzt wurden. Die Kornwestheimer Maschinen, die bisher im Schiebendienst an der Geislinger Steige tätig waren, wurden auch von Augsburg in diesem Dienst eingesetzt, da sie hierfür eigens mit Überwurfkupplung und Funkausrüstung ausgestattet worden waren.


Ab 1969 stellte das Bw Augsburg zwei Schiebeloks in Geislingen. Im Juli 1985 wartet die Augsburger 194 022 in Geislingen auf den nächsten Einsatz. (HS, 21.07.1985)


Am 04. März 1969 wurde 117 003 bei einem Unfall schwer beschädigt. Sie wurde zunächst im AW München Freimann abgestellt. Zunächst wurde eine Aufarbeitung erwogen. Aus diesem Grund kam sie zwischen dem 1. August 1970 und dem 23. September 1971 wieder in den Betriebsbestand. Da aber das baldige Ende der Baureihe abzusehen war, entschloss man sich schließlich doch gegen eine Aufarbeitung und so wurde 117 003 im September 1971 z-gestellt. Sie läutete damit das Ende der Baureihe 117 bei der DB ein. Die zunehmende Anzahl an Neubaulokomotiven hatte die ehemalige Schnellzugloks im Sommer 1970 in den Regionalbahndienst verdrängt.

Zwischen 1970 und 1971 kamen noch mal einige Loks der Baureihe 140 kurzzeitig nach Augsburg - neben den 140 082, 085 und 087 waren dies die fabrikneuen 140 768 und 877.

Während die vorhandenen Loks der Baureihen E 17 und E 63 bis zu ihrem Ende in Augsburg beheimatet blieben, war der Bestand der E 44 und E 94 weiterhin von Umbeheimatungen geprägt. Im Herbst 1970 wurden 194 124 und 125 nach Mannheim abgegeben. Zu diesem Zeitpunkt bestand für die Krokodile neben dem zweitägigen Umlauf an der Geislinger Steige noch ein 17-tägiger Umlaufplan, der sie u.a. nach Salzburg, Kufstein, Mannheim, Ansbach, Würzburg, Ingolstadt und Nürnberg führte. Schon bald zeigte sich, dass der bestehende 194er-Lokbestand in Augsburg für die beiden Umläufe zu niedrig bemessen war. Zur Verstärkung kam deswegen 194 124 Anfang 1971 zusammen mit 194 046 und 048 aus Mannheim nach Augsburg zurück. Zum 01. Juni 1971 wurde die BD Augsburg als eigenständige Direktion aufgelöst und der BD München eingegliedert.

Im Mai 1972 verließ 194 048 Augsburg mit Ziel München Ost. 1973 kehrte 194 159 nach vierjähriger Abwesenheit nach Augsburg zurück. Große Veränderungen brachten dann die Jahre 1974 und 1975. Ab Sommer 1974 beheimatete das Bw Freilassing wieder Lokomotiven der Baureihe 194. Deswegen wurden am 25. Mai 1974 die 194 086, 087, 107, 111, 112, 117, 118, 124 und 159 nach Freilassing abgegeben. Ein Jahr später folgten dann die 194 041, 043 und 044 ihren Schwestern nach Oberbayern. Gleichzeitig wurde noch die 194 085 nach Ingolstadt umbeheimatet. Damit hatte sich der E94-Bestand in Augsburg nahezu halbiert. Auch der Einsatz der Krokodile hatte sich reduziert. Haupteinsatzgebiet war nun die Strecke München - Stuttgart - Mannheim. Aber auch Salzburg, Garmisch oder Kufstein wurden noch angefahren. Ebenso gab es weiterhin den Geislinger Umlauf.

Bis 1975 wurden außerdem die E 44 035 (1972), 079 (1971), 036 (1975) und 110 (1975) an andere bayerische Bws abgegeben. Bis Mitte der 70er mussten die Loks E 17 05, 104, 118 (alle 1974) sowie E 17 109, 111, und 118 (1975) abgestellt werden - als Ersatz wurden im Sommer 1975 die E 44 160, 165, 175, 179, 182 (bereits im März) und 183 aus Rosenheim an den Lech geschickt. Obwohl der Augsburger E44 Umlauf zu dieser Zeit noch dreizehn Planloks vorsah, wurden bereits sechs dieser Tage im untergeordneten Dienst wie z.B. Abstellzüge im Großraum München erbracht. Auch bei der 144 machte sich damit die Auslieferung der ersten Neubauloks der Baureihe 111 bemerkbar, die die bisher eingesetzte 141 in die 144er Dienste verdrängte.

1976 mussten 117 013, 014, 120 sowie die 163 006 den Dienst quittieren. E 44 159 und 160 wurden im Mai 1976 nach Stuttgart abgegeben. Obwohl damit der Bestand der 163 auf zwei Loks gesunken war, wurden bis einschließlich Sommerfahrplan 1977 zwei 163 planmäßig benötigt. Im Lauf des Jahres 1977 mussten weitere acht Lokomotiven der Baureihe 117 (004, 007, 012, 102, 103, 105, 110 und 116) sowie 144 120 und 163 007 abgestellt werden. Der letzte 117er-Umlaufplan von September 1977 umfasste nur noch drei Umlauftage und sah lediglich einige Regionalleistungen nach Donauwörth und Ulm vor. Auch bei der 163 ging es weiter bergab. Mit dem Abgang der 163 007 gab es nur noch eine Lok im Plandienst. Nichtsdestotrotz war die noch vorhandene 163 005 weiterhin im Dauereinsatz. Im November 1977 kam sie beispielsweise auf eine durchschnittliche Einsatzzeit von 13,7 Stunden pro Tag.

Im September 1977 verzeichnete man mit 144 189 einen weitern Abgang. Mittlerweile kamen die Augsburger 144 nicht mehr nach Nürnberg und verdienten ihr Brot hauptsächlich mit untergeordneten Diensten. Im Dezember kam dann 163 002 aus Stuttgart buchmäßig nach Augsburg. Doch der letzte Neuzugang des Bw Augsburgs wurde dort nie eingesetzt. Sofort nach der Ankunft wurde sie abgestellt, während 163 005 weiter fleißig ihren Dienst versah. Im März 1978 wurde die 163 002 zurück nach Stuttgart überführt, um dort an einem Bahnhoffest in Ditzingen teilzunehmen. Nach der Veranstaltung, an der sie mit Pendelfahrten im Einsatz war, kam sie ins Bw Stuttgart, wurde aber weiterhin buchmäßig in Augsburg geführt. Mitte Mai 1978 kam sie schließlich nach Augsburg, wurde aber bereits einen Tag später weiter nach Garmisch geschickt. Der Einsatz der 163 in Augsburg endete somit bereits mit der z-Stellung der 163 005 im März 1978.

Während das Jahr 1978 damit das Ende der 163 in Augsburg bedeutete, überlebten zwei 117er das Jahr unbeschadet (117 106 und 113). Auch der Bestand der Baureihe 144 wurde weiter dezimiert. 144 150, 153, 156 und 157 wurden im Mai 1978 nach Stuttgart abgegeben. Im August 1978 mussten die 144 115 und 142 abgestellt werden. 144 115 war übrigens ihr gesamtes Lokleben ununterbrochen in Augsburg beheimatet. 144 166 und 175 verabschiedeten sich im September 1978 nach Garmisch. Die verbleibenden acht Lokomotiven (144 111, 141, 145, 165, 171, 179, 182 und 183) reichten aus um den letzten 144er-Umlaufplan des Bws, der ausschließlich Leerzüge zwischen München Hbf und München Pasing sowie Dienste am Ablaufberg in Mü-Laim beinhaltete, zu erfüllen. Eine Entscheidung der Hauptverwaltung der DB, die im Januar 1979 einen Überhang an 35 Loks der Baureihe 140 feststellte, bedeutete das Ende der Augsburger 144-Beheimatung. In Folge des Überhangs mussten achtzehn 144er abgestellt werden, darunter auch die Augsburger 144 141, die noch im Januar 1979 ihren Dienst quittierte. Aufgrund des daraus resultierenden E 44 Mangels bei anderen Bws, gab Augsburg im Februar 1979 fast seinen gesamten 144er-Bestand nach Rosenheim ab. Gleichzeitig stellte man die zweite reine Augsburger E 44, die 144 171, ab. Lediglich 144 145 verblieb zunächst in der Fuggerstadt wurde dann aber bis Ende Mai ebenfalls nach Rosenheim umstationiert. Auch 117 113 musste im Mai 1979 abgestellt werden. Zum Jahreswechsel 1979/1980 beheimatete das Bw Augsburg somit nur noch 117 106 und 14 Loks der Baureihe 194.

Die Achtziger bedeuteten das Ende der E-Lok-Beheimatung beim Bw Augsburg. Bereits im April 1980 wurde die letzte 117 abgestellt. Damit war die 194 die einzige E-Lok-Baureihe des Bw Augsburg. Pläne die 194 aus Augsburg abzuziehen blieben aus Personalgründen vorerst in der Schublade. Ab Sommer 1982 stellte Augsburg eine dritte 194 für den Einsatz an der Geislinger Steige, da die bisher dort eingesetzte Kornwestheimer 193 dort abgezogen wurde. Im August 1982 musste 194 046 nach einem Brandschaden abgestellt werden. Seit dem Sommerfahrplan 1984 übernahmen dann planmäßig Ingolstädter 194er den Betrieb in Geislingen, obwohl man weiterhin oft Augsburger Loks dort im Dienst antreffen konnte. Ab Mitte der Achtziger führen die Ingolstädter 194er oft in Augsburger Plänen und umgekehrt. Im Jahr 1986 entschloss sich die DB schließlich doch aufgrund der bevorstehenden Ausmusterung der 194 alle Loks der Baureihe in den Bw Ingolstadt und Nürnberg zusammenzuziehen. Aus diesem Grund wurden alle 13 noch vorhandenen Loks am 31. Januar 1986 geschlossen zum Bw Ingolstadt umbeheimatet. Mit diesem Schritt endete die fast 55-jährige Beheimatung von E-Loks im Bw Augsburg.

Im Jahr 1990, als die Bahn die Jubiläen 150 Jahre Eisenbahn von München nach Augsburg sowie 140 Jahre Hauptwerkstätte/Betriebwerk Augsburg feierte, kehrten noch einmal einige E-Loks ins Bw zurück, darunter die Altbau-Eloks E 94 192, E 44 002, 116 009-2, E 18 08, E 04 20 und E 75 09. Bedauerlicherweise fehlten die einstigen Augsburger Stars der Baureihe 117 und 163. Gleichzeitig war dieses Fest am 6. und 7. Oktober 1990 der letzte Höhepunkt des Bw Augsburgs. Gut drei Jahre später, zum Jahreswechsel 1993/1994 wurde das Bw Augsburg aufgelöst. Seitdem beheimatet Augsburg keine Triebfahrzeuge mehr, stellt aber weiterhin eine wichtige Einsatzstelle für Lokführer dar.

Seit Herbst 2001 blickt das Bw Ausgburg in eine bessere Zukunft. Der Verein Eisenbahn und Technik Augsburg e.V. hatte sich den Erhalt des ehemaligen Bw Augsburg zur Aufgabe gemacht, so dass auch zukünftige Generationen dieses traditionsreiche Betriebswerk erleben werden können. Heute befindet sich im Bw Augsburg der Lokpark Augsburg.

Statistik:

Baureihe Beheimatungszeitraum Betriebsnummern
E 04 11.05.1935 - 19.01.194613-16, 19
E 10/110 26.02.1962 - 10.12.1966132, 199, 324
E 17/11706.03.1943 - 23.04.198003-05, 07, 08, 12-14, 102-116, 118, 120-122
E 1815.12.1937 - 19.08.195002, 05, 30, 33, 37, 051, 052
E 32.0(30.09.1932) - 03.07.194225-34
E 32.1/132.103.1936 - 09.09.1966101-108
E 40 / 14029.06.1964 - 01.12.1973073, 082, 085, 087, 255, 266, 271, 274, 411, 416,
420, 432, 488, 489, 768, 877
E 4115.06.1957 - 27.06.195736
E 44 / 144 04.12.1934 - 30.05.1979029-036, 057, 058, 063, 064, 066, 074, 077, 079, 088,
094, 110 ,111, 115, 117, 120, 121, 138-142, 145,147,
149, 150, 153, 156-160, 165, 166, 168 ,170, 171, 175,
179, 182, 183, 189
E 45.205.1943 - 27.09.1945 202, 204-208
E 5008.10.1962 - 19.10.196254
E 52(05.1931) - 05.04.195015, 20, 22-28
E 6304.10.1951 - 15.08.197802, 04-08
E 88Mai 1945 - 23.10.1945015
E 7705.1933 - 194306, 08-21
E 91 27.05.1943 - 19.11.1956 15, 19, 94, 98, 100-102
E 94 08.12.1942 - 31.01.1986 012, 018, 021, 022, 038, 039, 041-044, 046, 048, 051,
070, 073, 074, 078, 080-082, 085-087, 091, 096,
107,108, 110-112, 117, 118, 124, 125, 137, 139, 145,
159, 160, 181-183, 186


Stichtag Baureihe Betriebsnummern
1.1.1940:
E 0413-15
E 1830, 33, 051, 052
E 32.025, 27
E 32.1101-108
E 44030-034, 057, 058, 063, 066, 074
E 5222-27
E 7706, 08, 09-21 (?)
----------------
01.01.1950:
E 1703, 04, 05, 07, 12, 14, 113-116, 118, 120-122
E 1805, 37, 051
E 32101-108
E 44035, 036, 057, 058, 110, 115, 141, 142, 145, 149, 157-159, 171
E 9194, 98, 100-102
E 94012, 018, 043, 051, 073, 080, 091, 107, 108, 111, 112, 117, 118
----------------
01.01.1960:
E 1703-05, 07, 12-14, 102, 113-116, 118, 120-122
E 32101-104
E 44035, 036, 079, 110, 111, 115, 120, 141, 142, 145, 149, 150, 153,
156, 157, 159, 166, 171
E 6305-07
E 94012, 018, 022, 041, 043, 044, 051, 070, 073, 080, 081, 091,
107, 108, 111, 112, 117, 118, 124, 125, 137, 139, 145, 159
----------------
1.1.1970:
117003z, 004, 005, 007, 012-014, 102-116, 118, 120-122
144035, 036, 079, 110, 111, 115, 120, 141, 142, 145, 150, 153,
156, 157, 159, 166, 171, 189
16305-07
194012, 018, 022, 038, 039, 041-044, 051, 070, 073, 080, 081,
085-087, 091, 107, 108, 111, 112, 117, 118, 124, 125, 137,
139, 145, 159
----------------
1.1.1980:
117106
194012, 018, 022, 038, 039, 042, 046, 051, 070, 073, 080, 081,
091, 108


Im Jahr 1987, als die Ingolstädter 194 118 die Drehscheibe des Bw Augsburg befährt, war der Stern der deutschen Krokodile schon fast untergegangen. Die Lok gehörte über 30 Jahre (vom 21. März 1944 bis zum 25. Mai 1974) zum Bw Augsburg. Durch einen Überschlag im Schaltwerk musste sie Anfang Dezember 1987 abgestellt werden und wurde schließlich am 18. Dezember 1987 augemustert. (Foto: Stefan Gigl, 1987)


Jahrzehntelang gehörte dieses Bild im Bw Augsburg zum Alltag. Im Jahr 1987, als sich 194 054 vor dem Lokschuppen sonnte, waren die Tage der E 94 aber schon gezählt. Die 194 054, die übrigens nie in Augsburg stationiert gewesen war, gehörte zum Aufnahmezeitpunkt zum Bw Ingolstadt und wurde am 29. Mai 1988 als eine der letzten DB-Krokodile ausgemustert. (Foto: Stefan Gigl, 1987)


Das blau-gelbe Unikat 194 178 fotographierte Stefan Gigl am 02. März 1987 auf der Drehscheibe des Bw Augsburg. Die Lok war im Jahr 1976 im AW Mü-Freimann in das oceanblau-beige-Farbkonzept umlackiert worden. Die zum Aufnahmezeitpunkt dem Bw Nürnberg Rbf zugewiesene Lok war ebenfalls nie in Augsburg beheimatet und wurde per Verfügung vom 27. September 1987 z-gestellt und schließlich am 18. Dezember 1987 augemustert. (Foto: Stefan Gigl, 02.03.1987)


Beim großen Bahnfest am 6. Oktober 1987 im Bw Augbusrg durfte natürlich auch ein E 18 nicht fehlen. E 18 08 steht zusammen mit einer E 16 und einer E 44 neben dem Lokschuppen im Bw Augsburg. (Foto: HS, 06.10.1987)


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