Baureihe Re 6/6 SBB elektrolok.de
Gotthardlok 1972- Kurzprofil

Die Gotthardlok Re 6/6
von Ludwig Reyer

Re 6/6 GOTTHARDLOK - das stärkste SBB Pferd


Die Technik
Um die nötige Traktion zu erreichen, war eine Konstruktion mit sechs Treibachsen nötig. Um dennoch eine gute Kurvenlaufeigenschaft mit niedrigem Verschleiß zu erreichen, wurden im Vergleich zur Ae 6/6 drei Drehgestelle eingebaut, wobei sich das mittlere stark seitlich bewegen kann. Um eine bessere Kurvenlauffähigkeit der nachlaufenden zwei Drehgestelle zu ermöglichen, wurden zwischen den drei Drehgestellen elastische Querkupplungen eingebaut. Zwei der vier Prototypen erhielten wie die Ge 6/6 II der Rhätischen Bahn (RhB) einen geteilten Lokkasten, wobei sich das Gelenk nur vertikal bewegen kann, um sich Gefälleänderungen anzupassen.
Die bei den anderen zwei Prototypen gewählte weichere Sekundärabfederung des mittleren Drehgestells hatte sich aber im Betrieb derart nachhaltig bewährt, dass bei der Serienausführung der einteilige Lokkasten zur Ausührung kam. Trotzdem sind beide Prototypen mit zweigeteiltem Lokkasten immer noch im Regeleinsatz.

Bulliges aussehen
Das Design ist an die Form der Re 4/4 II angelehnt, ebenso die Bedienung und die herkömmliche Trafotechnik, welche bei der Re 6/6 letztmalig Verwendung fand. Bei der Re 6/6 sind allerdings zwei Transformatoren (Leistungstransformator und Regel- Transformator) vorhanden, die sich im Lokomotivenkasten zwischen den Drehgestellen befinden. Durch das höhere Dach wirkt die Re 6/6 insbesonders von vorne gesehen wesentlicher bulliger als die Re 4/4 II+III.

Nachrüstungen
Wie bei den Re 4/4 II+III ist es geplant, alle Lokomotiven mit einer Führerstandsklima- anlange auszurüsten. Ende 2005 wurde die erste Lok nachgerüstet. Diese wird aber im Gegensatz zu den Re 4/4 II nur auf einer Lokkastenseite eingebaut und dies ohne Lüftungsschlitze. Die restlichen Änderungen, wie Ersatz der Senkfenster usw., sind nur aus der Nähe erkennbar. Nachdem zwei Loks versuchsweise eine Funkfernsteuerung für den Schiebedienst am Gotthard erhielten, wurden ab 2000 etwa 30 Loks damit nach- gerüstet. Um sie administrativ kenntlich zu machen, erhielten sie die Bezeichnung Ref 6/6.

Die Re 6/6 stärkste Lok mit 10.000 PS !
Die Re 6/6, ursprünglich den Gotthardlokomotiven zugeordnet, verfügt über Vielfach- steuerung (SBB IIId) und kann zusammen mit Re 4/4 II, Re 4/4 III, Re 4/4 IV und RBe 540 eingesetzt werden. Im Personenverkehr ziehen sie schwere Reisezüge über den Gotthard (als Alternative zu einer Doppeltraktion zweier Re 4/4 II). Im Güterverkehr werden sie landesweit für schwere Güterzüge eingesetzt, auf der Gotthardstrecke sehr oft in Vielfachsteuerung mit einer Re 4/4 II oder Re 4/4 III. Ein solches Tandem - aufgrund der 10 angetriebenen Achsen oft kurz als Re 10/10 bezeichnet - ist in der Lage die maximale Anhängelast von 1300t über die 26 Promille Steigung der Gotthardstrecke zu befördern. Für Schwere Güterzüge ( bis 1600t sind betrieblich machbar ) muss eine Schublok eingesetzt werden, um die Zughaken nicht zu überlasten.

Verluste / Unfälle
Unfallbediengt wurde 1990 die Lok 11683 ausrangiert und abgebrochen. Für die Umzeichnung ins UIC konforme Nummernraster wurde 1992 nur noch die verbliebenen Lokomotiven berücksichtigt, wodurch die 11638 keine UIC Nummer mehr erhielt. Die effektive Umzeichnung zu UIC-Nummern wurde allerdings nie konsequent in Angriff genommen.
Im Laufe des Jahres 2005 wurde dass UIC Nummernschema überarbeitet, wobei die 620 001 ( anstatt 000 ) als kleinste Betriebsnummer festgelegt wurde und der Einfachheit halber auch die nicht mehr existente 11638 nachträglich die Nummer 620 038 erhielt. Anfang 2006 trugen knapp ein halbes Dutzend Maschinen die neue Bezeichnung Re 620.

Heutiger Einsatz und Zuhause
Durch die Divisionaliesierung der SBB gehören heute alle verbleibenden 88 Maschinen der Division Güterverkehr (SBB-CARGO). Auf Grund der Umstationierung der Re 460 in die Division Personenverkehr dominieren heute - neben den neubeschafften Re 482 - wieder Re 6/6 im Güterverkehr auf der Gotthardstrecke. Die Lokomotiven sind den Depots Erstfeld, Bellinzona und Lausanne zugeteilt, wobei die Revisionsarbeiten in der Haubtwerkstatt Bellinzona vorgennommen werden.

Äusserliches Erscheinungsbild
Seit ihrer Ablieferung von 1972 (Prototypen) bzw. 1975-1980 (Serie) hat sich dass Erscheinsbild der Re 6/6 schon dreimal geändert. Zuerst wurden alle Loks in Grün und mit runden Scheinwerfer abgeliefert. Anlässlich der Revision 3 wurden sie dann in verkehrsrot umlackiert, zudem sind die unteren zwei Rundscheinwerfer durch modifizierte LKW-Scheinwerfer ersetzt worden. Daneben wurde ein 18 Pol-UIC Stecker für Licht/Lautsprecherseuerung/Funk eingebaut. Im Rahmen der Divisionalisierung der SBB sind die Loks zu SBB Cargo gekommen und erhalten dort das neue Cargooutfit in rot/blau mit großem seitlichem CARGO-Logo. Dabei wird das Wappen von der Mitte nach außen verschoben.


Statistische Daten Re 6/6

Betriebsdaten:
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Baujahr 1972 (Prototypen)
1975-1980 (Serie)
Betriebsnummern: 11601-11689
Betriebsnummern UIC: 620 001-620 089
Stückzahl bis 1990: 89
Stückzahl ab 1990: 88
Einsatzgebiet: Gotthard/Flachland
Wartungsstandort: Bellinzona
Ausrangierung: 1 - Re 6/6 11638
Lackierungen: (grün), aktuell Rot/Blau Cargo und Rot

Technische Daten:
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Fahrzeugtyp: Elektrische Lok
Hersteller: SLM Winterthur
BBC Baden / Sechero Attalliers Service SAAS Genf
Achsfolge: Bo-Bo-Bo
Bauart Stufenschalter NO32 und BBC,mit Rundwähler,4 Lastschaltern mit Luftschnellmotor
Höchstgeschwindigkeit: 140 km/h
Leistung: 7850 kW ( ca 10.600 PS )
Stundenzugkraft: 275kN
Anfahrzugkraft: 398kN
Bergleistung: 800t Zug auf 26 Promille bei 80 Km/h

Masse und Gewicht:
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Länge über Puffer: 19.310mm
Breite: 2.950mm
Höhe: 3.932mm
Lokgewicht: 120t
Achslast: 20t

Sonstiges:
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Besondere Merkmale: 2 der 4 Prototypen mit geteiltem Lokkasten
Vorgänger: SBB Ae 6/6
Nachfolger: Re 460, Re 482

Wappenzuteilung Re 6/6 SBB:
Loknummer Wappen
11601 Wolhusen
11602 Morges
11603 Wädenswil
11604 Faido
11605 Uster
11606 Turgi
11607 Wattwil
11608 Wetzikon
11609 Uzwil
11610 Spreitenbach
11611 Rüti ZH
11612 Regensdorf
11613 Rapperswil
11614 Meilen
11615 Kloten
11616 Ilnau-Efferetikon
11617 Heerbrugg
11618 Dübendorf
11619 Arbon
11620 Wangen b.Olten
11621 Taverne-Toricella
11622 Suhr
11623 Rupperswil
11624 Rothrist
11625 Oensingen
11626 Zollikofen
11627 Luterbach-Attsholz
11628 Konolfingen
11629 Interlaken
11630 Herzogenbuchsee
11631 Dulliken
11632 Däniken
11633 Muri AG
11634 Aarburg-Oftringen
11635 Muttenz
11637 Sonzeboz-Sombeval
11638 St-Triphon
11639 Murten
11640 Münchenstein
11641 Moutier
11642 Monthey
11643 Laufen
11644 Cornaux
11645 Colombier
11646 Bussigny
11647 Bex
11648 Aigle
11649 Aarberg
11650 Schönenwerd
11651 Dornach Arlesheim
11652 Kerzers
11653 Gümligen
11654 Villeneuve
11655 Cossonay
11656 Travers
11657 Estavayer-le-Lac
11658 Auvenier
11659 Charvornay
11660 Tavannes
11661 Gampel-Steg
11662 Reuchenette-Péry
11663 Eglisau
11664 Köniz
11665 Ziegelbrücke
11666 Stein am Rhein
11667 Bodio
11668 Stein-Säckingen
11669 Hägendorf
11670 Affoltern am Albis
11671 Othmarsingen
11672 Balerna
11673 Cham
11674 Murgenthal
11675 Gelterkinden
11676 Zurzach
11677 Neuhausen am Rheinfall
11678 Bassersdorf
11679 Cadenazzo
11680 Möhlin
11681 Immensee
11682 Pfäffikon SZ
11683 Amsteg-Silenen
11684 Uznach
11685 Sulgen
11686 Hochdorf
11687 Bischofszell
11688 Linthal

Prototyp Re 6/6 11602 mit geteiltem Lokkasten am 24.2.08 in Buchs.


Prototyp Re 6/6 11602 mit geteiltem Lokkasten am 24.2.08 in Buchs.


Front der Re 6/6 11602


Führerstandstisch mit Luftmanometer, Geschwindigkeitsmesser, Messgeräte, Fahrleitung, Fahrmotorenstrom. Unten Aufrüstpult sowie Leuchtasten. Links Stufenschalter mit eingebauter Lokpfeifftaste, oben Vor+Rückwärtsschalter. Rechts unten Führerbremsventil, oben Zugsicherungsgerät ZUB 121. Die Leuchttaste M, die gerade leuchtet, weist darauf hin, dass sich die Lok im Rangiermodus befindet und die Zugsicherung überbrückt ist.


Nebentisch vom Führerstand: Links Zugfunk sowie Fahrplanhalter und Tischchen fürs LEA, Lokführercomputer unten anschließend, Funktelefonhörer des Zugfunks und die Drehschalter fürs Lokspitzenlicht. Der rote Drehschalter ist der Zugschluss.


Gesamtansicht vom Führerstand.


Herzlichen Dank an Steve Nev für die Bereitstellung aller Bilder sowie Führerstandsbilder zu dieser Lokserie.
Bilder: Steve Nev
Bericht: Ludwig Reyer



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